Bitt Gott für uns, Sankt Willibrord!«
Der Niklas hatte sich auf den Ellenbogen gestützt und betrachtete im goldhellen Morgenlicht das Gesicht des schlafenden Mädchens neben sich. Gestern hatte er ihr Gesicht nicht mehr gut erkennen können, er hatte nur die junge zitternde Stimme gehört und das dankbare Schmiegen an seine Seite gefühlt, heute sah er erst, wie hübsch Bäreb war. Er betrachtete sie lange und mit Wohlgefallen: das war ein liebes Mädchen, ein arg hübsches Mädchen, eines, wie er daheim noch keins gesehen hatte!
»Bärbche!« Flüsternd sprach er ihren Namen aus; aber sie schlief noch fest, sie rührte sich nicht. Was sie für schöne Bäckchen hatte, zartgelblich und ein Rot drauf in einem Flaum, wie die Frucht ihn hat, wenn sie reifen will. Und lange Wimpern hatte sie wie schwarze Seide; schwarze Augen mußte sie haben. Die mochte er gern. Er konnte nicht erwarten, daß sie sie aufschlug. Vorsichtig nahm er die wärmende Joppe von ihr und dem Knaben und sprach leise: »Bärbche, stieh up, et is eweil höchste Zeit!« Er wagte es, ihr mit seiner Hand die Wange zu streicheln.
Da schauerte sie zusammen, seufzte, schlug die Augen auf und sah ihn an. Ihre schwarzen Augen erglänzten: oh ja, sie wußte gleich, wo sie war, da war ja der Klos! Sie lachte ihn an, sie war so froh, ihn zu sehen: nun war sie nicht mehr allein in aller Christenheit, sie waren zu zweien.
»Jute Morje, Klos!«
»Gude Morge, Bärbche!«
Dann bekreuzte sich Bäreb und sprach ein Morgengebet, und der Bursche bekreuzte sich auch und sprach mit, sie froh betrachtend:
»Es segne mich die Jungfrau rein
Mit ihrem lieben Kindelein!
Amen!«