Er half ihr, den Dores wach machen. Der Knabe sah blaß aus und schlief wie ein Toter; unter seinen geschlossenen Äugelchen lagerten die Schatten schwarzblau, und sein Mund war schmerzlich verzogen.

»Wenn et eso ’ne heiße Dag wierd, dann es hen immer nit eso jot,« seufzte Bäreb. Aber dann lächelte sie: ob heiß oder kalt, bald würde er ja keinen Unterschied mehr empfinden, bald war er gesund! Sie machte das Zeichen des Kreuzes über dem Brüderchen: »Bitt für ihn, heiliger Willibrord! Wir bitten dich, heiliger Willibrord, erlöse ihn!« Dann wusch sie ihn mit dem Wasser des Flusses und wusch sich auch selbst Gesicht und Hände.

Ohne Scheu vor dem gaffenden Burschen löste sie ihr langes Haar und strählte es mit dem Kamm aus ihrem Bündel. Puh, wurde es aber mächtig heiß! Sie lüftete sich das Kleid am Halse. O weh, schon stach die Sonne, als wollte es ein Gewitter geben!

Hinter der Berglinie starrten Wolken wie Spitzen. Das Sauertal war voll von glimmerigem Duft.

Als die Maximiliansglocke ihr Dröhnen anhub, und man aus der Stadt das Veni Creator der Geistlichkeit schallen hörte, die von der Kirche zur Brücke hinabzog, war es noch zeitig am Morgen, aber schon trockneten sich viele den Schweiß ab, und man sah große Regenschirme aufgespannt zum Schutz gegen den Sonnenbrand. Doch der Gendarm befahl, sie zuzumachen.

»Paaß up, dat de mich nit verlierst,« flüsterte Niklas noch rasch Bäreb zu im wilden Gedränge. »Nach der Prozession, unner de Trepp am St. Willibrordus-Brunnen, lao stiehn ech!«

Sie nickte nur, sie wagte nicht mehr zu sprechen.

Das war etwas Gewaltiges, etwas Herrliches, etwas nie Geahntes!

Voran mit blitzenden Pieken drei Männer in langen, leuchtend-roten Gewändern, ein Trupp von Chorknaben hinter ihnen mit Kreuz und Fahne. Und dann singend und betend viel tausend Männer:

»Heiliger Willibrord, ein Lehrer der Wahrheit,