Am Nachmittag, als sie alle bei Festtagskaffee und Kuchen saßen, schlich sich Pittchen hinaus; er ging gebückt wie ein Alter, und die Schale mit geweihtem Wasser in seiner Hand schwankte.
Daheim saß die Zeih bei dem kranken Josefchen und weinte sich die Augen rot; die ‚Gichter‘ plagten das Kind, warfen bald seinen kleinen Leib hoch in die Höhe und reckten ihn dann wieder lang.
Seit jenem Sonntag in Oberkail war das Josefchen krank; da waren die Eltern spät in der Nacht heimgekommen, ohne einen Blick auf die Wiege zu werfen, torkelten sie sinnlos in’s Bett. Am Morgen lag das Josefchen nackt da, steif und blaugefroren; bald kamen die Krämpfe.
„Kreischt net e su,“ sagte die Weise-Frau, die Peter in seiner Angst holte, „bal hatt ihr e schien Engelche im Himmel!“ Davon wollten die Eltern nichts wissen; Anschuldigungen flogen hin und her, es gab einen heftigen Zank. Der Schluß war, daß sich Peter finster und wortkarg in seiner Werkstatt verschloß und Zeih betend und weinend an der Wiege verblieb.
Aber bald ertönte ihr Singen, erst leise, dann schallend; die Leute sagten immer bewundernd. „Dat Zeih haot en Stimm, om de Duden ufzoerwecken.“ Sie sang:
„Hoch uf em Daach, uf em Daach,
Haot sech en Könd half dud gelaach,
Et fiel erunner, erunner —
Rube-de-bub — Rube-de-bub!“
Das wiederholte sie ein paar Mal, beim Kehrreim stieß sie jedesmal an die Wiege, daß sie heftig schaukelte.
„Rube-de-bub — Ruube-de-bub!“ Und dann weinte sie wieder ein Weilchen.
Peter war nicht so leicht getröstet; wenn er nicht in der Werkstatt steckte, stand er bei der Wiege und starrte finster brütend, mit zusammengekniffenen Lippen auf das kranke Kind.
Heute schlich er wie ein armer Sünder auf den Kirchhof; auf den Gräbern seiner Eltern warf er sich nieder und krallte die Finger in die kalte Erde. Er suchte eine Zuflucht bei ihnen vor den eigenen Gedanken.