Lange war er nicht hier gewesen, wohl das ganze Jahr nicht; aber nun sollte es besser werden, er versprach es denen da unten hoch und heilig. Und einen Marmorstein sollten sie kriegen mit goldner Inschrift; koste es, was es wolle, er konnte es ja zahlen. Zahlen —!
Er fuhr auf und sah sich scheu um. Wenn er nur Mut gehabt hätte! Er knirschte mit den Zähnen und ballte die kalten Finger zu Fäusten — den Mut, den Mut! Da lag was in seiner Werkstatt verborgen, nicht Sonne noch Mond hatten es beschienen, niemand hatte es gesehn, und doch ängstigte es ihn Tag und Nacht. Es konnte ihn reich und glücklich machen, und doch —
Mit einem unterdrückten Fluch sprang er empor, sein Fuß trat in die Schale geweihten Wassers, daß sie umstürzte und ihr Naß in den aufgetauten Pfad ergoß.
Nur Mut! Er fuhr sich in die Tasche — klapperte es nicht schon darin? Nein, nein — leer, ganz leer! Und zu Hause weinte die Zeih, wimmerte das Josefchen; kalt war die Hütte, der Tod stand auf der Schwelle — — — — — — — — — — — —
Der Angstschweiß brach ihm aus, mit der verkehrten Hand wischte er sich über die Stirn; die Hand zitterte.
„Feiges Luder,“ murmelte er zwischen den Zähnen. Nur ein bißchen Courage brauchte er zu haben, dann wurde alles wieder gut. Dann lachte die Zeih, dann kam der Doktor und heilte das kranke Kind — er sah es schon mit roten Bäckchen, auf flinken Füßchen durch die Hütte trippeln, ein großes Butterbrot in der Hand, — und die Zeih küßte ihn, heiß fühlte er den Kuß. Und am Kirchhof vorüber zog eine ganze Schar — nickende, winkende Weibergestalten. Verjubelte Tage, verjubelte Nächte — immer fidel —!
Die Hütte würde er ausbauen lassen, nein, eine neue kaufen, einen Bauernhof! Vielleicht gar die Eichelhütte, drüben gen Himmerod zu, deren schloßähnlicher Bau über die Eichenwipfel ragte.
Da hatte ihn sein Vater vorbeigeführt, als er noch ein Knabe war; da hatten sie am Gitter gestanden und neugierig in den Park gelugt. Ein reicher Herr hatte im Schlößchen gewohnt, der war längst tot, und der jetzige Besitzer wollte verkaufen. Wenn er nun der Herr Besitzer würde —?!
Wie die Zeih sich freuen würde! Was die da unten im Grab wohl dazu sagen würden?!
Er kniete nieder, legte sein Ohr an den Hügel und horchte.