Tief, tief innen in der Erde glaubte er was zu hören, ein Summen und Rauschen, ein Flüstern und Raunen; hohl, wie aus einem Gewölbe, drang’s an sein Ohr. Ein Schauder überlief ihn, — das kam aus der Ewigkeit! — — — — — — —

‚Wie mer sech bett’, su schläft mer,‘ — hatte so sein Vater nicht immer gesagt?

Zitternd flüsterte Peter: „Sollen ech et duhn? Sollen ech et net duhn?“

Und die Stimme aus der Tiefe antwortete: „Du sollst!“

Da sprang er auf. Der Kirchhof war leer. Hinter den Bergen verkroch sich schon die Sonne, und im Säuseln eines Lüftchens flackerten die Gräberkerzen höher.

Von Schauern überrieselt ging Peter, die Füße waren ihm wie gelähmt; langsam, ungewiß machte er Schritt für Schritt. Auf dem großen Kreuz, das sich mit der Gestalt des Heilands inmitten des Kirchhofs erhebt, lag ein blendender Schein; gerade auf die Inschrift fiel er, die sich in goldenen Buchstaben über den breiten Sockel zieht.

Amor me cruci affixit

Was hieß das? Nie hatte Peter darüber nachgedacht, nun stand er in Sinnen verloren. Er buchstabierte, und dann starrte er hinauf zu dem dornengekrönten Leidensantlitz, bis ihm die Augen übergingen.

Plötzlich schreckte er zusammen, eine Hand legte sich auf seine Schulter. Ah, der Herr Pastor! Er riß die Mütze vom Kopf.

„Seh einer, der Miffert!“ sagte der Geistliche wohlgelaunt und schlug ihm mit dem Brevierbüchlein, das er stets bei dem täglichen Spaziergang mit sich führte, leicht auf den Rücken. „Na, wie steht’s mit dem Kronleuchter? Seid Ihr bald fertig?“