‚Liebe hat mich an’s Kreuz geschlagen‘ — ja, die Liebe! Seine Brust hob sich unter einem tiefen Seufzer — die war’s! Eine große Erleichterung kam über ihn. Was er that, that er ja auch nicht für sich, nur aus Liebe zu andren! Da waren die Zeih, das Josefchen und die andren alle — aus purer Liebe!

Sein unsteter Blick wurde ruhiger, er heftete ihn fest auf das Bild des Gekreuzigten. Der da oben litt, und er selbst litt auch — ja, leicht war’s nicht, am Kreuz zu hängen! Aber die Angst, die Angst, die er hatte, war die nicht noch schrecklicher?!

„Wann se mech atrappieren, gänn ech villeicht aach ufgehang,“ murmelte er finster. „Nä, dat duhn se eweil net mieh, äwer se sperren mech ein, wuh Sonn on Mond net scheinen, wuh mer kein Luft krieht, wuh mer — ha —!“ Er holte tief und zitternd Atem, der Kopf sank ihm auf die Brust. Aber gleich darauf hob er ihn wieder.

Die Gestalt des Heilands verschwamm schon im Grau des rasch sinkenden Abends, nur um das Haupt wob sich noch ein flüchtiger Schimmer wie eine Glorie. Es schien sich zu neigen.

Mit unterdrücktem Schrei streckte Peter die Hände aus. Ja, der da oben, der verstand ihn! ‚Amor me cruci affixit‘ — der würde ihn nicht zu Schanden werden lassen!

Er warf sich am Fuß des Kreuzes nieder und betete, wie er es noch nie gethan. Getröstet stand er auf; einen vertraulichen Gruß sandte er noch hinauf, ein verständnisvolles Nicken.

Festen Fußes schritt er an den Gräbern entlang. Es war fast dunkel, die Lichtchen niedergebrannt, nur hie und da flackerte noch eins wie ein Irrwisch mit aufzuckendem Schein.

Als er das Gatter des Friedhofs schloß, pfiff er. Er fühlte sich so leicht, so vergnügt; nun wußte er, was er zu thun hatte, nun wurde nicht länger gefackelt.

Von der Eichelhütte her kam ein Wägelchen über die Chaussee, es rollte dicht an ihm vorüber. Er erkannte den Besitzer der Eichelhütte, den Herrn van Beuren, darauf, der immer nur zweimal im Jahre ein paar Tage zur Jagd herkam; der neben ihm sitzende dicke Mann, mit einem Wollenshawl vermummelt und mit Ohrenklappen an der Mütze, war ihm fremd. Wer war denn das? Neugierig sah Peter dem Gefährt nach.

Dicht vor’m Dorf stieß er auf Krumscheid. Donnerwetter, der kam ja von seiner Hütte heruntergestelzt, was wollte denn der da oben? Aha — Peter lachte in sich hinein — der hatte wohl Angst um sein Geld?!