„Merci, merci! Onsen Hährgott sei met Eich! — Pittchen — o Ihr —!“ Sie war ganz außer sich, sie lachte und schluchzte, zog ihn an sich und küßte ihn mit ihren matten blutleeren Lippen; wie Schnee fühlte er den Kuß auf seiner Stirn.
„Ech danken, ech danken Eich villdausendmaol, Pittchen! Es et denn wirklich waohr — Gäld, Gäld — drei Dahler — Dahler?!“ Sie drückte die Geldstücke liebkosend an ihre Wange. „Ech kann eweil ebbes kaafen beim Krumscheid, on Milch for dat Könd, alle Dag! On ech sälwer“ — sie faßte ihren Kopf mit beiden Händen — „dän Dokter kömmt bei mech! Ech soll gesond gänn — ech kann dän Lorenz widdersiehn! Jesus, Maria, Josef — oh Pittchen, Pittchen!“
Langsam sank er an ihrem Bett nieder; ein abergläubischer Schauer und zugleich eine freudige Wollust des Gebens zog ihn auf die Kniee.
Ihre Hände falteten sich über seinem Kopf, sie betete; mit rührender Stimme flehte sie den Segen des Himmels auf ihn herab.
Er wagte nicht, sich zu rühren. Ein himmlischer Gruß, weihrauchduftend, rein und heilig, schien ihm durch die verlassene Kammer zu wehen. Schwebten nicht Engel mit großen Flügeln gen Himmel und trugen auf goldner Schale die Dankesthränen der armen Bäbbi? Und seine Gutthat, als weiße Taube, flog voran.
Eine mächtige Erschütterung ging ihm durch den Körper, er lag wie niedergeschmettert. Die ganze Qual der letzten Wochen, die gehetzte Arbeit der Nächte, das Versuchen und Grübeln, das Sorgen um’s Gelingen, Zweifel und Furcht, wilde Freude und dann wieder kindische Angst, all das brauste und brandete auf einmal durch sein Gehirn.
Bäbbi betete, und die wilden Gedanken wurden plötzlich so glatt wie Meereswogen, auf die man Öl gießt.
Thränen brachen ihm aus den Augen, erlösende Thränen; sie liefen ihm über das hagre Gesicht und rannen nieder auf das elende Bett.
[X.]
Der Winter war über Eifelschmitt hingezogen, es mit seiner Schneelast verschüttend. Weihnachten war dagewesen und hatte die Männer nach Hause gebracht. Jubel in den Hütten, Gedudel im Wirtshaus, Gläserklingen und Kuchendüfte. Heilig Dreikönigstag hatte der Lust ein Ende gemacht; morgens darauf waren die Männer wieder abgezogen, und die große Wintereinsamkeit hatte das Dorf in ihre Arme genommen und eingelullt, bis daß es schlief.