Jetzt wollte es lenzen.
Unter der modrig feuchten Decke des abgefallenen Buchenlaubes sproßte der Waldmeister, an besonders heimlichen Stellen trieb schon ein erstes scheues Reis, und in den noch toten Chausseebäumen lärmten die Staare.
‚Naoch Lichtmeß es et Aushalt‘ sagen die Eifeler, ‚warm oder kalt, de Dag gänn lang on dän Fuß krieht sein Gang.‘
Sankt Matheis hatte das Eis gebrochen; auf den überschwemmten Wiesen um die Salm ruderten lustig die Dorfenten.
Auf dem Äckerchen der Schwiegereltern arbeitete Bäbbi. Sie hackte mit starken Armen den Boden auf, drehte die Schollen um, zerstieß und klopfte und verkleinerte die harten Erdklöße, und bückte unermüdlich den Rücken. Verschnaufend hielt sie wohl eine kurze Weile inne und blickte prüfend über die Berghänge.
Noch keine im Dorf hatte an die Frühjahrsbestellung gedacht, und sie wußten doch alle: Schneifurr — Gedeihfurr! Da lotterten sie zu Hause herum, in Unterrock und Nachtjacke, und verschliefen den halben Tag. Ernst, fast vorwurfsvoll, ruhte Bäbbis Blick auf dem Dorf; sie schüttelte den Kopf, und dann spuckte sie in die Hände und griff von neuem zur Hacke und arbeitete wieder, bis ihr der Schweiß die vom scharfen Wind zerwühlten Haare an die Stirn klebte.
Sanct Gertraud mußte den Acker bestellt finden; und der Lorenz sollte sich darauf verlassen können: da war eine daheim, die für sein Kind und seine alten Eltern schaffte.
Ein warmes Rot stieg ihr in die Wangen, ihr Mund wölbte sich stolz. Mit frischer Kraft, neu belebt, trieb sie die Hacke in den Boden, daß die noch winterharte Rinde tief auseinander barst und ein feuchter, treibender Erdduft aufstieg. Die Muskeln an ihren Armen strafften sich, man sah’s unter dem fadenscheinigen Blaudruck-Kleid; sie arbeitete wie ein Mann.
Jetzt machte sie keine Pause mehr; gleich einer Maschine, regelmäßig, ohne Ermüdung, hob und senkte sie die Hacke, Furche nach Furche wurde abgeschritten. Der Schweiß fiel in Tropfen in die gelockerte Erde, die das warme Naß gierig einsog. Blitzschnell bückte sie sich zwischen den Schlägen, hier einen Stein aus dem Acker zu lesen und dort; in mächtigem Schwung flog der dann den felsigen Abhang hinunter, aufprallend, sich überschlagend und prasselnd andres Geröll mit sich in die Tiefe reißend. Laut hallte es im einsamen Thal nach, die Stille gab das Geprassel doppelt stark wider, es wurde zum Gepolter; drüben an der Berglehne antwortete dumpf ein verschlafenes Echo.
Der Unkrautstellen im Ackerland wurden weniger und weniger, die schwachbegrünten Flecke verschwanden einer nach dem andren — nun breitete sich das gleichmäßige Schwarz bis zum Wegrain aus. Im Dorf bimmelte das Glöckchen; die reine Luft trug den Klang hell hier herauf; mit einem Seufzer der Befriedigung ließ Bäbbi die Hacke zum letzten Mal niedersausen. Fertig für heute!