Morgen wurde wieder von frischem angefangen und übermorgen wieder, und dann wieder, bis die lehmigen Erdklöße — sie bückte sich und zerbröckelte einen in der Hand — so fein waren wie Mehl; dann wollte sie zufrieden sein. Dann gab’s auch eine gute Ernte, Kartoffeln genug und auch ein wenig Korn. Was würde der Lorenz sagen, wenn sie so viel erübrigte, um eine Ziege zu kaufen? Wie gut würde die Milch dem Kind und den beiden Alten thun! Auch zu einem Ferkel würde es vielleicht noch langen, das wurde fett gemacht und dann auf dem Markt zu Wittlich verkauft.

Sinnend ging der Blick der jungen Frau in’s Weite und verlor sich im duftigen Blaugrau, jenseits der Berge. Da weilte der Lorenz, weit, weit. Ein Ausdruck sehnsüchtiger Liebe machte ihren herben Mund weich. Kam wohl je eine Zeit, in der nicht mehr so viel Berge, so viel Wald, so viel Wasser sie von einander trennte?!

Bäbbis Gestalt reckte sich höher auf, ein tiefer Atemzug hob ihre Brust — die Zeit mußte kommen!

Mit der schwieligen Hand strich sie sich das Haar zurück, zog das Kopftuch tiefer in die Stirn, schulterte ihre Hacke und schritt rasch dem Abhang zu. Scharf umrissen zeichnete sich ihre Gestalt vom lichten Horizont ab. Sie schien gewachsen, groß und stark hob sie sich über der Umgebung.

Eilenden Schrittes stieg sie den Pfad gegen das Dorf abwärts, ihre derben Nägelschuhe trapsten fest. Elf Uhr, nun warteten die Alten daheim schon, daß sie kam und das Mittagessen kochte. Die waren beide recht hinfällig geworden in diesem Winter, der Vater lag immer im Bett, und der Schwiegermutter Maulwerk war nicht halb mehr so scharf geschliffen; sie greinten wie die Kinder, wenn sie ihren Willen nicht kriegten.

Und dann der Kleine! Ein glückliches Lächeln verschönte das ernste Gesicht der jungen Frau — ach, der kannte die Mutter schon! Wenn die kam, strampelte er und reckte die Ärmchen und wollte nicht mehr bei der Großmutter bleiben.

Rasch und rascher schritt sie zu; nun war sie unten auf dem Thalweg. Aber trotz ihrer Eile sah sie die jungen Blätter des Wegebreits am Grabenrand — die waren heilsam zum Auflegen für den offenen Fuß der Schwiegermutter; erfreut kniete sie nieder und pflückte die ab. Und da sproßte der erste Löwenzahn — geschwind griff sie zu — und da noch einer, und weiter drinnen im Gras noch mehrere! Das sollte ein Salat werden für den Alten, so lecker, wie ihn nur Herren an der Tafel haben, und dazu so gesund für’s Geblüt. Sie sammelte eifrig.

Plötzlich hob sie lauschend den Kopf. Ein Stöhnen klang an ihr Ohr — war da jemand in Not? Sie rief.

Wieder ein Stöhnen, und dann ein Fluch. Jetzt sah sie erst: unten im Graben lag einer und suchte vergebens an den steilen Rändern aufzuklimmen. Sie hatte ihn vorhin in ihrem Eifer gar nicht bemerkt.

Das war ein Betrunkener! Furchtlos ging sie näher und streckte ihm die Hand hin. „Jesses,“ sagte sie unwillkürlich und blieb stehen, wie angewurzelt; es war Pittchen.