„Von wem hat er denn geerbt?“ fragte Schmitz neugierig.
„Dat waaß ech net,“ lachte sie. „Mir saon hei: ‚Met Schweigen verredt mer sech net‘ — hän saot neist.“
Schmitz sah sie verwundert an.
„Jao, Ihr könnt et glauwen,“ fuhr sie wichtig fort, „dat Pittchen, dat es anen!“ Ein geheimer Stolz auf ihren Mann regte sich nun doch in ihr. „Dän es klug, dän hört dat Gras wachsen. Dän saot neist, wat hän net saon will; net emaol, wann hän besoff es!“
„So, so.“ Das zweifelhafte Lob Pittchens interessierte Herrn Schmitz weiter nicht, seine Meinung stand einmal fest: ein unangenehmer Patron. —
Von nun an fühlte es Pittchen, er hatte einen geheimen Widersacher im Dorf. War es sein schlechtes Gewissen, das ihn so argwöhnisch machte, oder die Eifersucht, nicht mehr der einzige Hahn im Hühnerhof zu sein? Wahrhaftig, da brauchte er doch den alten ‚Knickstiewel‘ nicht zu fürchten, der im warmen Sonnenschein einen dicken Flauschrock trug, Filzpantoffeln und um den Hals einen doppelten Shawl. Er fühlte einen unbestimmten Haß gegen den Alten in der Eichelhütte, größeren Haß, als auf den schönen, jungen Gendarm von Oberkail. Der Schmitz hatte einen verdammten Blick; sah er nicht den Peter mit seinen Schweinsäuglein so von der Seite an, als wollte er sagen: ‚Ich weiß was‘ —?
Als Peter den Alten zum ersten Mal in Krumscheids Wirtsstube treten sah, sprang er aus seiner Ecke auf, scharrte einen Kratzfuß und setzte sich mit einem: „Met Verlöw!“ dem Herrn gegenüber an die Breitseite des Tisches. Zutraulich fing er eine Unterhaltung an, schwatzte harmlos und zutäppisch, aber er hatte kein Glück damit. Seine Blicke, die flink und unruhig umherhuschten, entdeckten keinen Zug des Wohlwollens auf dem dicken, roten Gesicht gegenüber; Schmitz blieb zugeknöpft, das blühende Fett der Wangen deckte jede Regung, die schlauen Äuglein verschwanden ganz in ihren Schlitzchen. Er trank rasch aus, zahlte und ging; Peter blieb sitzen wie ein Dummer.
Er fluchte in sein Glas hinein, fing an, mit dem Wirt zu krakehlen, und schimpfte dabei auf, den ‚alden Knickstiewel‘, den ‚Kalmäuser‘, das ‚Mastschwein‘.
Was die Zeih nur an dem finden konnte?! ‚Herr Schmitz‘ blieb ihr zweites Wort. Von dem grünen Zitzsofa, über das sie einmal hatte streicheln dürfen, erzählte sie, als sei es lauter Sammet und Seide. Ganz beseligt kam sie heim, als der Herr Schmitz sie zur Veilchenzeit in seinen Garten gerufen und ihr erlaubt hatte, für das Josefchen einen Strauß Veilchen zu pflücken. Als ob es deren nicht auf der Flur unter den Hecken weit blauere und duftendere gäbe! Peter riß ihr die Blumen aus der Hand, zertrat sie und visitierte ihr dann die Tasche — hatte sie nicht noch was Anderes geschenkt bekommen?
Er glaubte ihr nicht, als sie beteuerte: „Nor Veilcher, su waohr ech läwen, nor Veilcher!“ Er riß ihr den Rock aus den Falten, kehrte alles an ihr um und um, und als er nichts fand, schlug er sie.