[XII.]
Warme Tage waren über die Eifel gekommen, Früh-Sommertage. Die Sonne brannte auf die nackten Kuppen, die Felsen schleuderten die Strahlen zurück. Gewitter zogen jäh auf und gingen jäh nieder; oft stand ein Regenbogen über’m Thal, hie einen Fuß, drüben den andren.
Was da gesäet war, ging der Reife entgegen.
Auf Bäbbis Acker stand der Roggen so hoch, wie das Lorenzchen war. ‚Lukas Evangelist‘ hätten die alten Schneidersch gern ihren Enkel genannt — so war der Tag seiner Geburt im Kalender benamst, — aber Bäbbi hatte trotz ihrer Krankheit und Schwäche darauf bestanden, er mußte nach seinem Vater getauft werden.
Sinnend schritt Bäbbi den Ackerrain entlang und ließ ihre Hand sacht durch die leiswogenden Ähren streichen. Wie lange noch, drei Wochen kaum, dann war Peter und Paul; dann fing das Korn an, sich zu bleichen — und die Männer kamen heim! Der Lorenz kam!
Mit einem Seufzer der Befriedigung sah sie über ihr Feld hin. Das konnte sich sehen lassen! Gleich einer Bürste stand das Getreide, und nebenan streckten die Kartoffeln, wohlgesetzt in Reih und Glied, ihre steifen, dunkelgrünen Bäumchen. Wie eine Oase lag dies Fleckchen in der Wüste der andren Äcker; kaum handhoch stand auf denen das Korn, und manch Kartoffelland sah aus, als hätten Wildschweine darin gewühlt.
Mit der arbeitsrauhen Hand strich Bäbbi dem kleinen Lorenz die wehenden Löckchen aus der Stirn und sah, das Kind, das kräftig aufgerichtet auf ihrem Arm saß, liebevoll an sich drückend, mit selig verträumtem Ausdruck in die Ferne.
Was würde er sagen, wenn er kam?! Bald, bald! Ihr Herz klopfte stark, vor Freude. Hierher wollte sie ihn führen, gleich am ersten Abend — kaum konnte sie’s erwarten — was würde er für Augen machen, wenn er sah, wie gut alles stand?! Ja, es war ein rechter Gottessegen. Dankbar faltete sie ihre Hände um die kleinen des Kindes und ließ sich auf den Grasrain niedergleiten.
Da saß sie still. Heut durfte sie ja feiern am Sonntagnachmittag. Sinnend ließ sie die Augen auf der Landschaft ruhen.
Bergland, so weit der Blick reicht; armes Bergland. Unter der mageren Erdschicht starrer Fels; winzige Äckerchen, dem trocknen Heideboden abgerungen oder dem Herzen des Waldes entrissen.