„Aber, Kemper, Kemper,“ begütigte der Pfarrer, „flucht doch nicht so! Wer sagt Euch dann, daß Ihr mit Absicht betrogen seid? In unserer Eifel ist man fromm und ehrlich; aus der bösen Welt wird uns die Sünde eingeschleppt. Hier betrügt keiner den andren.“
„Äwer ech sein doch befautelt,“ ächzte der Unglückliche, „ob met Bedaacht oder net. Kuckt hei“ — er zog ein Thalerstück aus dem Kittel und zeigte es auf der flachen Hand herum — „dän es falsch!“
Falsch —?! Bäbbi stand mit offnem Mund.
Ein Murmeln, ein Raunen, ein hörbares Staunen ging durch den Kreis; sie rückten enger zusammen, jeder drängte heran und reckte den Hals. „Es et waohr? Wirklich waohr?! Es dat miëlich, menschenmiëlich?“
„In der That,“ — Schmitz hatte die Brille aufgesetzt und hielt sich den Thaler dicht unter die Nase — „der is falsch!“
„Ech sein beschiß, ech sein beschiß,“ heulte Kemper.
Der geistliche Herr nahm den Thaler zur Hand. „Ich kann das noch immer nicht glauben — nein, nein!“ Er schüttelte den Kopf.
„Sie können’t schon glauben.“ Schmitz fühlte sich ganz als welterfahrener Mann. „Ich hab’ zu Köllen als der Dinger mehr jesehn. Drum hat ja auch der von Bismarck eben jetzt die Joldstücker einjeführt; der is schlau, die sind nit e so leicht nachzumachen. Der hier is falsch! Kiek ehs an“ — sein Portemonnaie aus der Tasche ziehend, suchte er daraus einen Thaler hervor — „der is echt!“ Er probierte beide Geldstücke auf einem Stein. „Hört, wie hell den klingt, un wie anders den! Da heißt et aufjepaßt. Wo einen is, sind auch ihrer mehr.“
Betroffen sahen sich alle an.
„Zom Schandarm, zom Schandarm nach Oberkail!“ zeterte der Küster.