„Duh kommen ech jao als här,“ jammerte der Handelsmann. „Duh sein ech stracks hingerennt, e su bal als onsen Wirt zo Großlittgen saot, dän Dahler wär falsch. Äwer dän Schandarm es net derhäm. Se saon zu Oberkail: hän wär nao Schwarzenborn; on in Schwarzenborn: nao Eifelschmitt. On hei, dän Krumscheid saot: hän wär nao Karl —“

„Lao kömmt hän,“ schrie Bäbbi auf. Ihre scharfen Augen hatten den Schimmer einer Uniform am Waldrand gesehen. „Lao kömmt hän aus em Büsch, ech siehn de Knöpp blinkern!“

„On en Framensch haot hän bei sech,“ brummte schmunzelnd der alte Krumscheid. „Hä, Hähr Schandarm! Helao!“

„Hollah,“ brüllte Schmitz. „Sie da!“

„Feuer, Feuer,“ zeterte der Küster.

Sie erhoben alle die Stimmen, selbst der geistliche Herr rief. Endlich schien der Oberkailer zu hören; das Frauenzimmer verschwand, wie vom Boden verschluckt, er selbst sprang in großen Sätzen vom Waldrand auf die Straße herunter. Nun kam er angetrabt. — —

Wer die Kunde vom falschen Thaler in’s Dorf getragen, wußte man nicht. Obgleich der Gendarm den Erstwissern strengstes Stillschweigen auferlegt — „denn,“ sagte er, „der Hallunke darf beileibe keinen Wind davon kriegen, sonst macht er sich dünne“ — hatte einer doch geplaudert.

Wie ein Lauffeuer ging’s von Haus zu Haus: „Wißt ihr’t schuns? Hatt ihr’t als gehört? Jesses, e su ebbes! Sollt mer’t glauwen? En Dahler, en falschen Dahler!“

Die Weiber standen alle auf der Gasse; außer Bäbbi war keine im Haus geblieben. Sie schlugen die Hände über’m Kopf zusammen und rissen Augen und Mäuler auf. Alle möglichen Geschichten tauchten auf im Anschluß an den falschen Thaler; wer was zu erzählen wußte, erzählte: von Räubern und Mördern und Einbrechern. Selbst der Schinderhannes, der vor siebzig Jahren zu Mainz Geköpfte, trat leibhaftig wieder auf. Sie drängten sich zusammen und schauderten und machten einander graulen. Das summte und wirrte durcheinander, wie ein aufgestörter Bienenschwarm.

Das Wirtshaus wurde belagert; neugierige Gesichter drückten sich an die Fenster, denn drinnen saßen ja die Herren und hielten Rat. Und da war auch der Thaler zu sehen. Wie der nur ausschauen mochte?! Hie und da machte sich eine eine Ausrede; zum Beispiel die Tina, die ging keck herein und kaufte für einen Groschen ‚Klümpcher‘[53], aber es half ihr nichts, der Krumscheid war ganz verstört und hatte kein Ohr für ihre Fragen, und niemand von den Herren rief sie an den Tisch, so sehr sie auch hinschielte. Sie kriegte den Thaler nicht zu sehen.