Der Schmitz führte das Hauptwort. Zu seiner Zeit hatte in Köln einmal ein Falschmünzerprozeß gespielt, den gab er nun mit allen Einzelheiten zum besten. Eine ganze Bande war’s gewesen, zehn Mann hoch, mit so und so viel Helfershelfern; was Ähnliches würde wohl auch hier dahinter stecken.
Immer martialischer wurde das Gesicht des Gendarmen, er drehte den Schnurrbart auf, daß ihn die Spitzen fast in die Augen stachen, und fühlte verstohlen nach dem sechsläufigen Revolver, den er unter der Uniform auf der Brust trug. ‚Im Namen des Gesetzes‘ — ha, wie sie zitterten!
Darin waren sich fast alle einig, ein Eifeler konnte der Missethäter nicht sein. Der Pfarrer sprach warm für die seiner Kirche anvertrauten Schafe. Nun war er hier schon dreißig Jahre im Amt, nie, nie war etwas Böses vorgefallen; er hätte es doch erfahren müssen durch die Beichte.
Schmitz, als geborener Eifeler, war ganz seiner Ansicht. Ja, draußen waren sie alle raffiniert, aber hier?! „Ne,“ sagte er, „hier sind se zu ehrlich!“
Der Gendarm nickte dazu: „Und viel zu dämlich!“
Nur das Hausiererchen sagte kein Wort zur Entlastung der Einheimischen.
Er stöhnte und jammerte, am meisten darüber, daß der Gendarm den Thaler eingezogen hatte, um ihn seinem Vorgesetzten, dem Obergendarmen zu Wittlich, abzuliefern. „Jeß, Jeß,“ klagte er, „duh sein ech vom Räjen unner de Trauf gekomm! Hähr Scha—Schan—darm — ech will mein Dahler re—redur!“ Er lallte schon, sie hatten ihm zum Trost wacker eingeschenkt.
Heute brannten die Lichter in den Häusern länger denn je, nur Pittchens Hütte lag still und finster.
Spät in der Abenddämmerung kam Zeih in’s Dorf geschlichen; Tannennadeln hafteten ihr im Haar, und am Kleid klebte ihr Waldmoos. Ungesehen hoffte sie ihre Hütte zu erreichen, aber schon wurde sie angehalten. „Hatt Ihr’t gehört? Hatt Ihr’t gehört vom falschen Dahler?“
Mit Ungestüm platzte sie daheim in die Stube, wo Pittchen quer über’m Bett lag, die Augen starr gegen den Deckbalken gerichtet. Er hatte eben den Rausch der vorigen Nacht ausgeschlafen, nach der Frühmesse war er erst heimgekommen; nun schmerzte ihn der Schädel noch. Stumpfsinnig brütete er. Als er seine Frau erkannte, schnauzte er sie an: „Wuh haste dech widder erumgedriewen, dau —“