Auch der Krumscheid begab sich nach Wittlich und borgte extra dazu das Chaischen vom Pauly zu Oberkail; den Sparkasten stellte er neben sich, sorgsam mit einer Decke verhüllt. Als er durch den dunklen Wald fuhr, setzte er sich darauf.

Ein geschlagner Mann kam er heim — elf von seinen Thalern waren falsch! Die hatten sie gleich dabehalten zu Wittlich und hatten ihn ausgefragt, daß ihm der Verstand knackte; er dachte nach und dachte wieder nach, aber wie sollte er’s noch wissen, von wem er die Thaler bekommen?! Und der Obergendarm, mit dem — weiß Gott! — nicht zu spaßen war, hatte ihn zum Stillschweigen verpflichtet, unter der Drohung, ihn sonst in Untersuchungshaft zu nehmen. Das war das bitterste, nicht einmal erzählen durfte er’s!

Und noch mehr falsche Thaler tauchten auf, hier und da. In Hupperath und Karl, in Oberkail und Spang-Dahlem, in Manderscheid und Bettenfeld, in Oberöfflingen und Niederöfflingen, in Stadtfeld und Daun; die ganze Gegend war verseucht.

In der ersten Zeit lief fast jeden Tag ein neues Gerücht um; bald sollte am Rhein eine ganze Falschmünzerbande aufgehoben worden sein, bald an der Mosel, bald waren die falschen Thaler von Holland über die Grenze gekommen, bald von Frankreich. Die Weiber von Eifelschmitt hatten soviel zu erzählen, daß sie gar nicht mehr zu ihrer Arbeit kamen; sie brannten vor Neugier und Aufregung, und Pittchen stand mitten unter ihnen auf der Gasse und schürte den Brand.

Seine Erzählungen überboten noch alle anderen; es war ein ganzes Gewebe von Lügen, das er sich in seinen schlaflosen Nächten aussann und den Dummen über den Kopf warf. In guten Stunden frohlockte er — waren die alle einfältig! Aber es kamen auch böse Stunden, in denen packte ihn die Angst am Schopf und drückte ihm die Kehle zu.

Er traute sich nicht, etwas auszugeben, auch nicht, beim Krumscheid zu borgen; der hätte so wie so jetzt nichts hergeliehen, da er immer von ‚Verhungern‘ sprach. In den Wirtshäusern konnte Pittchen auch nicht sitzen; in die allerentlegenste, im fernsten Waldwinkel versteckteste Schenke war die Kunde von den falschen Thalern gedrungen.

Schmalhans war wieder eingekehrt in Mifferts Hütte, und zwar so plötzlich, daß Zeih sich nicht in den jähen Wandel finden konnte. Was half es dem Peter, daß er ihr kläglich beteuerte: es sei alles alle geworden. Sie glaubte ihm nicht; soviel Geld konnte gar nicht alle werden.

Sie lag ihm in den Ohren Tag und Nacht und quälte ihn und bettelte um Geld und weinte; an was sie früher gar nicht gedacht, das brauchte sie jetzt zur allerdringendsten Notdurft. Sie hatte eben das Bessere kennen gelernt.

Und wenn er zur Tina kam, dann tribulierte auch die ihn. Was würde die gucken, wenn er auf einmal sagte: ‚Ech haon ken Gäld mieh!‘ Er fürchtete sich vor ihren schlauen Blicken und ihrer Spürnase.

Und Spürnasen waren die Weiber alle; sie verfolgten ihn auf Schritt und Tritt, sie hefteten sich an seine Fersen, hingen sich ihm an und zogen ihn nieder.