Merkwürdig, so spöttisch der Peter früher gewesen, so fromm war er jetzt. Seit dem vergangnen Herbst ging er fleißig zur Kirche und lag oft vor dem Bild der Himmelskönigin auf den Knieen; sie war seine Schutzpatronin.

Und wie er sich einmal in abergläubischer Scheu den Segen des Himmels durch eine Gutthat erkauft, so that er auch diesmal.

Die heilige Jungfrau würde ihm lächeln. — —

Wohlgemut pfeifend, die Hände in den Hosentaschen, schlenderte Pittchen heute wieder herum. Mit besonderer Zuvorkommenheit grüßte er den Oberkailer Gendarm, der mit blitzenden Knöpfen, in Helm und Sonntagsuniform, das Dorf passierte.

Der Oberkailer wanderte zu seinem Vorgesetzten nach Wittlich, um dort Bericht zu erstatten. Sein dienstliches Notizbuch im Busen war vollgepfropft mit allem möglichen Unwesentlichen; in der Hauptsache konnte er nur melden: ‚Nichts Neues vorgefallen, alles ruhig.‘

Mit einem höhnischen Grinsen sah Pittchen ihm nach.

Es war eine kolossale Hitze. Die Straße lief wie ein blendendes Band hin, in weißlichen Staub gehüllt; kein Gräschen am Rain, kein Blatt am Baum rührte sich. Die Mittagsonne sog mit gieriger Glut jeden Tropfen Flüssigkeit aus dem Körper.

Kein Wunder, daß der wohlbeleibte Oberkailer, stöhnend, einen Augenblick im Schatten der großen Bäume vor der Eichelhütte anhielt und, sich verschnaufend, die enge Halsbinde lockerte. Dankbar nahm er den kühlen Trunk Bitburger Biers an, den ihm Herr Schmitz zum Fenster heraus kredenzte.

„No, wohin dann?“ fragte neugierig der Alte.

„Nach Wittlich zum Obergendarm — bei der Bullenhitze! Verfluchte Thalerjeschichte!“