„Esel — Esel! Mir wollen dech liehren, Esel saon! Dau Hongerlieder. Saog noch ehs: Esel! Mir schlaon der alle Rippen im Leif dorch, dattste ke Glied mieh röhre kanns!“
„Jesses, seid dir gäckig?!“ Peter that sehr verwundert. „Esel — Esel — wän haot ebbes von Esel gesaot?!“ Er drehte den Kopf hin und her, als ob er jemanden suche. „Su ebbes von Ausverschämtheit. Wän kann sech onnerstiehn, ebbes von ‚Esel‘ zo saon?!“
Er war ganz Empörung, Erstaunen und beleidigtes Ehrgefühl. Sein Gesicht trug den Ausdruck ruhiger Unschuld und harmlosester Verwunderung; mit offenem Lächeln sah er einen nach dem andren an und hob dann sein Glas. „Zogott,[14] dir sollt läwen! Ech duhen der Bescheid, Nikla! Mathes! Thom! Zogott!“
Zögernd stießen sie mit ihm an; sie waren ganz unsicher geworden.
Peter seufzte und stützte den Kopf schwer in die Hand. „Jao, et es en dreckig Welt, ech haon et bal saat! Dir haot et noch gud, äwer ech arm Luder!“ Er gähnte. „Ech kriehn neist von der Welt zo siehn. Mer hockt alleweil hei in der buckeligen Gäjend, on de Weibsbiller sein mer bis“ — er fuhr mit dem Handrücken unter’m Kinn her — „bis heihin!“
Das hätte er nicht sagen sollen, mißtrauische Blicke trafen ihn; da war besonders der Mathesen Martin, der schien ihn auf dem Strich zu haben. Man munkelte im Dorf, dem Mathesen sein Zweiter sei dem Pittchen wie aus den Augen geschnitten.
„Dau Faxenmaacher,“ schrie Martin. „Glauwt net, wat hän babbelt! Dän de Fraleider saat —?!“ Er lachte zornig. „Dau Filu!“ Er sprang auf und ging drohend auf Miffert zu. „Hinner jeder Diehr sticht hän, an jeder Schörz hängt hän! Waart, ech will dech Conduiten liehren!“ Rot vor Wut wollte er sich auf Peter stürzen, dieser blieb gelassen sitzen.
„Gemaach, gemaach, Martin,“ mischte sich der Densborn ein, „laoß hän! Mir wollen ke Streit anfänken, heit am erschten Kirmesdag. Wat willste maachen? Wat geschehn es, es geschehn. Framenscher sein Framenscher. On Dag on Naacht allein! Mer moß en Dauer met ihnen haon. Dän elao“ — er wies auf den Wirt hinter’m Schenktisch — „dän on de paor annern alden Knackstiebel kannste doch net für voll rechnen!“
Der alte Krumscheid hatte trotz seiner Harthörigkeit verstanden; nun war er beleidigt. Er warf sich in die Brust und pustete die eingesunknen Backen auf. „Dau Lausbub,“ schrie er herüber, „kömmst hei erin geschneit on willst ebbes saon? Dattste net de Blaatz kriehst vor Eingebildhaat! Lao sein Mädercher genog, de nach mer kucken. Gäl, Nettche?!“ Er kniff eine der Kellnerinnen in die Backe.
„Laoßt!“ Das Mädchen schlug ihn derb auf die Finger. „Ech haon eweil ebbes Schieneres zo siehn, wie su en Stück Dörrflaasch!“