Brüllendes Gelächter dröhnte durch die Stube.
Miffert lachte nicht mit; er schlich vom Tisch weg, um sich unbemerkt zu entfernen. Er war schon an der Thür, da sprang ihm Mathes nach. „Hei gebliewen,“ schrie er und drängte ihn zum Tisch zurück. Peter ließ sich drängen, er widersetzte sich nicht.
„Kucktelhei,“ schrie der andere weiter, dem schon ein Rausch zu Kopf stieg, „dän Kalmäuser![15] Dat es dän Bock, dän mir zom Gärtner gemaach haon! Frißt de Blumen in anner Leit’s Gaarten! Äwer hol dech in Aacht, dattste net ausgezaohlt giefs — dein Fra, dat Zeih, dat haot Aagen im Koap! Ech dähten er net drauen uf fünnef Schritt. In der Not frißt dän Deiwel Fliegen; äwer laoß nor en annern kommen! — Dat Zeih, dat es en staatsch[16] Luder, en schnipp-schnappig[17] Mensch, dat — —“
Ein furchtbarer Schlag auf den Mund ließ Mathes jäh verstummen, betäubt taumelte er zurück.
Mit sprühenden Augen und erhobner Faust stand Miffert; nichts mehr von schläfriger Trägheit war an ihm, ein lebendiger Mensch stand da, mit rollendem Blut in den Adern, jede Muskel straff. In grimmiger Wildheit biß Pittchen die Zähne aufeinander, und dann brüllte er: „Hal dei Maul!“ Seine erhobene Faust sauste nieder. „Dat es für dat ‚Luder‘ — on dat“ — wieder hob und senkte sich die Faust — „dat es für dat ‚schnipp-schnappig Mensch‘ — on dat — on dat — onnerstieh dech noch ehs!“
Wie der Hammer auf den Ambos, so sauste die Faust nieder — hierhin, dorthin — hei, waren das Schläge! Da mußten Funken sprühn und Eisen in Stücke gehn.
Kein Mensch hatte sich gerührt, starr vor Überraschung standen sie alle. Aber jetzt brach’s los, mit Geschrei und Fluchen sprang man dem Mathes zu Hilfe. Pittchen wurde weggerissen; in eine Ecke gedrängt, wehrte er sich mit Händen und Füßen. Bänke stürzten um, Gläser klirrten zu Boden — Schimpfen, Lachen, Drohen, Schreien, Stampfen, Fluchen, Toben — da — die Thür ging auf!
Wie erschrocknes Hühnervolk in die Ackerfurche, wenn aufscheuchende Schüsse knallen, so fiel es in die Stube ein, mit Rauschen und Rascheln und Schwirren — die Weiber! Voran eine, die anderen alle durch ihre üppige Fülle in Schatten stellend.
„Schkandal?“ rief Lucia Miffert fragend.
Entschlossen stieß sie die vordersten bei Seite, stellte sich vor ihren Mann und deckte ihn mit ihrer kräftigen Gestalt.