„Aber, Herr Schmitz, aber, aber! Der Miffert ist ein durchaus ehrlicher Kerl, für den kann ich bürgen. Wie schön hat er den Kirchenkronleuchter repariert! Das war im vergangnen Herbst. Aus altem Zinn und Blei und der Himmel weiß was, hat er ihn wieder hergerichtet. Tag und Nacht hat er dran gearbeitet.“
„So.“
Weiter sagte Schmitz nichts, aber er spitzte die Ohren und pfiff in eigentümlicher Weise durch die aufeinandergebissenen Zähne.
„Nein, nein, auf den Peter laß ich nichts kommen, der ist wirklich fromm. Wie oft treff’ ich den nicht in der Kirche! Erst kürzlich sah ich ihn in andächtigem Gebet versunken vor’m Altar unserer lieben Frau auf den Knieen liegen. Und glauben Sie, daß der was dafür genommen hat, als er dazumal mit der Arbeit fertig war? Den Heiligen hat er’s zu Gefallen gethan; nur einen Vorschuß zur Anschaffung einiger notwendiger Werkzeuge hat ihm die Kirche gezahlt. Nein, nein, lieber Herr Schmitz, ein bißchen leicht ist der Peter wohl, das liegt nun mal in den Verhältnissen“ — der Pfarrer stieß einen Seufzer aus — „da muß man sich eben mit abfinden. Aber sonst —!“
„So?!“ Der Alte zog die Augenbrauen hoch und hob den dicken Zeigefinger. „Der Grünschnabel, das Berliner Großmaul, lacht zwar derzu, aber ich“ — er schlug auf den Tisch — „ich weiß, wat ich weiß!“ Er war heftig geworden und ganz rot im Gesicht; jetzt hatte er seinen Kopf aufgesetzt.
„Aber, aber, Herr Schmitz,“ sagte der Geistliche ganz kleinlaut. „So ein guter Mensch wie Sie! Wie können Sie einen Nebenmenschen so verdächtigen?!“
„Ich verdächtige ja gar keinen, ich sage bloß, wat ich weiß. Ich bin en aufjeklärter Mensch, der sich in der Welt umjekuckt hat. Hat mir auch erst nit in den Kopp jewollt, dat en Eifeler en so raffiniertes Luder sein sollt, aber mer is doch kein Esel. En juter Mensch braucht doch kein dummer Mensch zu sein. Ich will auch jar kein juter Mensch sein,“ schrie er krakehlig, „wer sagt Ihnen, dat ich en juter Mensch bin?!“
„Ach, Herr Schmitz“ — der Pfarrer legte ihm begütigend die Hand auf den Rockärmel, — „Sie haben ja erst grade so was Gutes gethan, unsrer armen Kirche eine so reiche Spende gegeben —“
„Ich? Ne!“
„Thun Sie doch nicht so! Die rechte Hand soll freilich nicht wissen, was die linke thut.“