Mit zitternden Händen kramte der Geistliche in seinem tannenen Schreibtisch; erst hatte das Schloß nicht schließen wollen, dann fand er den Schlüssel zu dem Kästchen nicht, in dem er die Kirchenkasse verwahrte. Der bloße Verdacht schon hatte ihn ganz außer Fassung gebracht. Endlich hatte er den Thaler; aufgeregt hielt er ihn Schmitz hin.
Dieser warf nur einen kurzen Blick darauf, nahm ihn dann in die Hand und ließ ihn auf die Platte des Tisches niederkollern.
„Da haben wir’t — falsch!“
„Aber wie kommt der in die Sammelbüchse für den Altar der Hochheiligsten?“ jammerte der geistliche Herr. „Ein falscher Thaler in die Kirche — oh, die Sünde!“
„Oh, die Dummheit!“ sagte der andere mit einer, eigentlich etwas respektwidrigen Nachahmung im Ton.
„Wer kann das gethan haben?“ ächzte der Pfarrer und hielt sich den Kopf. „Keins meiner Beichtkinder, nein, nein!“
„Jedenfalls keins, dat en Weiberrock anhat!“
Schmitz betrachtete wieder den Thaler und brummte vor sich hin:
„Die sind ja hier so arm wie die Feldmäus’ bei Mißernt’, un Weiber sind auch all viel zu geizig derzu. Bleibt niemand übrig, wie der Peter mit der Erbschaft. Schlosser is den auch noch obendrein. Hm, hm — freilich, for so en dumm Luder hätt ich den nit jehalten, jeht un schmeißt beim Muttersgöttesche en Thaler erein! Die Dummheit könnt ei’m fast irr machen. Hm, hm!“
„Er hat es nicht gethan; er kann es nicht gethan haben,“ stritt der arme Seelenhirt; er war so entsetzt, als sei der Wolf über seine Schafe geraten. „Er hat es nicht gethan!“