„Werden mir ja sehn,“ sagte trocken Herr Schmitz. „Ich jeh’ nach Wittlich!“

[XIV.]

Es ist gegen zehn Uhr abend — eine schwüle, dunkle Sommernacht; auf leisen Sohlen geht sie über die Flur.

Am Himmel flimmern die Sterne, matt, bis sie ganz verschwinden hinter undurchdringlichen Wolkenschichten. Nur zu ahnen sind die Berge; in’s Ungeheuerliche vergrößert, schmelzen sie in eins zusammen mit den Wolkenballen, die auf sie niederhängen. Die einzelnen Felsnasen, die an den Berglehnen vorragen, schauen fratzenhaft verzerrt in’s Thal. Wie ein schwarzer Raubvogel mit ausgebreiteten Schwingen hängt der Wald über’m Dorf, bereit, sich niederzustürzen und die Wehrlosen mit seiner Last zu erdrücken.

Vereinzelter Lichtschein blinzelte in den Hütten von Eifelschmitt. Die faulsten der Weiber schliefen schon, die weniger faulen schafften noch im stillen. Der Tag trödelte sich so hin, da mußte der späte Abend herhalten; denn lange konnten die Männer nicht mehr ausbleiben.

Hier wusch noch eine, hinter dem mit alten Fetzen verhängten Fensterchen. Da prügelte eine ihren Kindern das ‚Artigsein‘ für den Vater ein und erstickte das Geschrei, indem sie ihnen das bleischwere Deckbett über die Köpfe zog. Dort saß eine ganz junge bei unruhig flackerndem Kerzenschein und nähte sich rote Strumpfbändel zum Tanz.

In den Fugen der bröckligen Mauern zirpten die Grillen, in den Ställen schnaufte das Vieh; die Stille trug beides weit in die Runde. Verschlafen meckerte eine Ziege, ein Säugling greinte, ein Hund knurrte — dann alles ruhig, in Lautlosigkeit begraben.

Man hörte das Schweigen der Sommernacht.

Aber jetzt regte sich etwas zwischen den Hecken, die den schmalen Pfad zu Mifferts Hütte einfaßten. Es streifte rauschend an den Büschen entlang, die wild überhängenden Zweige knackten.

Ein paar dunkle Gestalten tappten vorsichtig die Steige hinan, man hörte unterdrücktes Flüstern und dann ein warnendes: ‚Pst, pst.‘