Unentwegt fiedelnd und blasend, zogen die Musikanten in die Schenkstube; man ließ ihnen kaum Zeit, einen Trunk zu thun. Mit starken Armen schleppten die Männer die Tische auf die Straße, die Weiber rückten die Bänke längs der Wände — nun war der Tanzsaal fertig. Der schwenkende Rheinländer hub an, auf dem engen Platz drehten sich an die dreißig Paare auf einmal.

Das war ein Stoßen, Drängen und Puffen. Jeder wurde auf die Füße getreten und trat wieder; noch keine halbe Stunde war vergangen, und die Luft war undurchdringlich von Staub. Man konnte kaum sehen; durch den Dunst schimmerten die glühenden Gesichter wie rote Flecke. Man öffnete kein Fenster, nur die Thür stand offen, in dem dunklen Hausflur tanzten auch noch welche.

Lucia Miffert war eine begehrte Tänzerin; sie tanzte nicht leicht, man fühlte eine volle Last, aber gerade das war schön, man wußte, was man hatte, und sie verstärkte das noch, indem sie sich recht fest auf den Arm ihres Tänzers lehnte. Und dabei war sie nicht stumm wie die andren Weiber, die sich drehen ließen, immer mit dem gleichen feierlichen Ausdruck des Gesichts. Sie schwatzte und lachte, ihre lustigen Augen blitzten nah in die des Tänzers, ihr warmer Atem kitzelte seine Wange; kein Wunder, daß die Männer sie immer fester und fester drückten.

Von einem Arm wanderte sie in den andren, ihre gesteiften Röcke wurden schlaff, das dunkle Haar hing ihr verwirrt in’s Gesicht. Ihr helles Lachen übertönte die Musik; wo sich in den Tanzpausen die Männer am dichtesten zusammenknäulten, da stand sie.

Dem Peter wurde zugetrunken: „Prost, dat Zeih soll läwen!“

Mit verdrossnem Gesicht stand er hinter der Stubenthür und folgte ihr mit den Augen. Er tanzte nicht mehr; als ein besonders helles Lachen die Musik überschrillte, hatte er mit einer heftigen Bewegung plötzlich seine Tänzerin stehen lassen, die er vorher, trotz seines lahmen Beines, mit viel Gewandtheit geschwenkt.

Die Männer tanzten mit der Cigarre im Mund, über die Schulter der Tänzerin paffend; durch den undurchdringlichen Qualm bohrte Peter die Blicke — wo war sie? Mit wem tanzte sie?

Gerade jetzt schwenkte sie der Bursche, auf dessen Wange sie vorhin ihre fünf Finger abgedrückt; es schien dem Peter, als schmiege sie sich besonders fest an den, als flüstre der ihr was Verliebtes in’s Ohr.

Mit einem Satz stürzte er sich auf das Paar; rechts, links im Gewühl Püffe austeilend. Nun hatte er sie erreicht. „Gief Obacht, Zeih,“ sagte er, halb bittend, halb grollend, „danz net e su vill, ons Josefche schreit sons de ganz Naacht!“

„Laoß hän schreien,“ lachte sie und tanzte weiter. Sie hatte seiner nicht Acht.