Verzweifelt ging er vor’s Haus, er konnte das da drinnen nicht mehr mit ansehen.

Auf dem Prellstein an der Ecke saß ein altes Weib mit einem fest eingewickelten Kind auf dem Schoß.

„Kömmt se noch net?“ kreischte sie Miffert entgegen. „Dat Könd gitt schuns ganz blao[18] für Schreien!“

Er beugte sich über das quiekende Bündel. Die Augen hatte das Sechswochen-Kind geschlossen, aber das Mäulchen stand durstig offen, immer jammerndere Laute drangen daraus hervor.

Finster sah der Vater auf das verquollne Gesichtchen; langsam, in Gedanken, ging er dann zur Wirtshausthür zurück. Er schickte einen Knaben hinein. „Saog dem Lucia Miffert, et soll ehs erauskommen. Äwer saog net, wän naoch er schickt,“ schärfte er ihm ein. „Saog: et pressiert!“

Sie kam, die Wangen heiß gerötet, schnell atmend, mit wogender Brust und geöffneten Lippen. Neugierig spähte sie aus.

„Dau —?! Wat willste?“ fragte sie verwundert ihren Mann.

„Ons Josefche,“ sagte er nur vorwurfsvoll und wies mit dem Daumen nach der Ecke hinüber. Klägliches Schreien kam von dort her.

„Jesses, ons Josefche! Dän hatt ech ganz vergäß! Mein arm Josefche!“ Frau Lucia riß der alten Frau das Bündel vom Schoß, wiegte es tänzelnd hin und her, setzte sich dann auf den Prellstein, knöpfte ihre Taille auf und legte das Kind an die volle Brust.

Das hungrige Josefchen war still; sie selbst lehnte den Kopf hintenüber an die Hauswand. Mit geblähten Nasenflügeln, schwer atmend, die Lider halb geschlossen, lauschte sie mit verzücktem Lächeln nach der Musik im Tanzsaal.