Lorenz machte ein böses Gesicht — hatte der Pitter nicht auch einmal um sein Mädchen herumgeschnuppert? Die Bäbb hatte es ihm selber erzählt. Daß ihm das nicht eher eingefallen war! Wie lang war’s her? Traue einer den Frauenzimmern! Er glaubte ein Blickewechseln zwischen den beiden zu bemerken. Zornig riß er Bäbbi mit sich fort: „Komm doch!“

Auch Peter sagte ungeduldig: „Komm!“ Keine war doch wie seine Zeih! Er hätte mit ihr fort mögen, dahin, wo kein ander Mensch war; keiner sollte sie sehen, keiner sie lachen hören!

Als er mit ihr tanzte, preßte er sie, daß ihr der Atem verging.

Rund herum wirbelten die Paare. Immer rascher wurden die Tanzweisen, immer wilder schwenkten die Röcke, stampften die Schuh; die glattgeflochtenen Zöpfe lösten sich, hie und da hingen einer schon die losen Haarsträhnen über den Rücken.

Immer fester packten die Männer zu. Die kleine Tina hatte auch einen Schatz gefunden. Der stupsnasige Laufeld hielt sie in den Pausen auf dem Schoß und ließ sie aus seinem Glase trinken.

Heute nachmittag erst hatte sich das angebandelt. Tina hatte in ihres Vaters Garten gestanden und den Hals gereckt, als der Bursche vorüber kam. Ihre begehrlichen Augen zogen ihn an, er blieb stehen; die Arme auf den Zaun gestützt, sprach er zu ihr herüber. Sie war im hellen Staat, Blumen hatte sie vor die Brust gesteckt. Lange hatten sie miteinander geschwatzt, sie schnippisch, neugierig und verliebt; er im Ton eines Eroberers.

Nun war sie sein erklärter Schatz. Da konnten noch so viele kommen und mit einem Kratzfuß bitten: „Leih mer dei Mensch!“ — nur er tanzte mit ihr. Er war galant und bestellte Wein, Bier und süßen Likör.

Sie trank alles durcheinander; zuletzt wußte sie nicht mehr, was sie sprach, was sie that, sie saß unbeweglich und starrte mit glasigen Augen vor sich hin. Da führte er sie hinaus.

Das war kein Tanzen mehr, das war ein Rasen. Kein Takt, kein Schritt, kein Drehen mehr, nur ein wildes Durcheinanderhopsen. Lenzen Bäbb war mitten dazwischen. Der Lorenz war schwer betrunken, er wirbelte sie herum, daß sie gegen alles anstießen, gegen Menschen, Bänke, gegen den Schenktisch; zuletzt kam er mit ihr zu Fall. Kein Mensch half ihr auf; man stolperte über sie weg, jeder hatte mit sich zu thun, keiner stand mehr fest auf den Füßen.

Wer noch gehen konnte, stahl sich mit seinem Schatz zur Thür hinaus. Ein Paar nach dem andren schlich um die Regentonne an der Stallwand, hinein in’s dunkle Heckengäßchen. — — — — — — — — — —