Und weiterhin die nächtlichen Felder in Tau und ahnungsvoller Dämmerung. Eine unendliche Reinheit ist in der Luft, eine unendliche Reinheit am Himmel; die Sterne funkeln in überirdischer Klarheit, ehe sie erbleichen. Unendliche Reinheit weht über die Berge, unendliche Reinheit steigt zu Thal. Mit angehaltenem Atem lauscht die Natur und schauert und bebt vor der unendlichen Reinheit des Morgens.
Horch! Im Dorf der erste Hahnenschrei! Er klingt wie eine Fanfare, wie ein Trompetenstoß zum Beginn neuer Lust. Der zweite Kirmestag bricht an.
[III.]
Es ist früh am Morgen, die Sonne noch nicht aufgegangen, nur über den Bergen im Osten rötet sich schwach eine Wolkenschicht. Grau liegt das Thal; von Frühnebel die Wiesen überwogt, wie von wallendem Wasser. Die Hähne schreien sich heiser, Hunde schlagen an.
Ganz fern am Horizont blinkt noch ein Stern, ein schwaches Abbild früheren Glanzes. Drei Uhr.
So früh ist man sonst in Eifelschmitt nicht auf den Beinen. Heut klappen alle Thüren; Weiber, notdürftig bekleidet mit Hemd und Unterrock, eilen hinaus in den grauen Morgen zum Brunnen. Feucht geht es nieder, als hätte es geregnet; die niedrigen Scheiben der Fenster sind dick angelaufen.
Aus jedem Schornstein kräuselt schon Rauch und steigt mühsam durch die schwere Luft zum farblosen Himmel.
Mit finster durchfurchten Stirnen stehen die Frauen am Steinherd und kochen den Kaffee; unter’m hängenden Kessel schwehlt das feuchte Reisig, der Dampf beißt in die Augen, daß sie weinen. Die Küche ist kalt, das Herz schwer wie Blei.
Drinnen im Ehebett liegt noch der Mann und wälzt sich in den Federn; er kann gar nicht herausfinden, der Kopf ist ihm schwer vom letzten durchzechten Abend. Er stöhnt und flucht.
Wie Gespenster schleichen die Weiber herum, blaß, übernächtig, hohläugig; die blühendste Wange ist heute bleich, der lachendste Mund schmerzlich verzogen. Langsam tappen die bei der Kirmes müde getanzten Füße.