Der letzte Morgen!
Rasch, rasch, die Zeit vergeht! Noch haben sie weit zu wandern, und die Eisenbahn wartet nicht. Mit vor Hast ungeschickten Händen hilft die Frau dem Mann in die Kleider; Zärtlichkeiten werden nicht mehr getauscht, die haben sich erschöpft in den paar Tagen — und wozu auch? Er geht jetzt fort in die weite Welt, und sie bleibt sitzen im engen Thal. So ist’s nun mal! Mit der gewöhnlichen Alltagsstumpfheit nimmt man schon wieder sein Geschick auf sich.
Die kleinsten Kinder nur schlafen noch, die größeren bringen Hut und Stock und stecken dem ‚Pappa‘ noch ein Brot und ein Stück altbacknen Kirmeskuchen in’s Bündel; sie wagen nicht zu sprechen, der Vater ist unwirsch, die Mutter haut beim geringsten Lärm zu.
Still, still! Als wäre ein Toter im Haus, so schleichen sie; winselnd schnuppert der Hund herum und drückt sich dem Herrn an die Füße. —
In der Kammer der jungen Schneiderschen Eheleute brannte noch das Lämpchen; es war so dunkel hier neben dem Stall, nicht Licht noch Luft kam durch das schmale Fensterchen.
Bäbbi wankte vom Herd zum Tisch, vom Tisch zum Bett, vom Bett zum Schrank, immer vergaß sie noch etwas. Nackt und kahl engten die rotgetünchten Wände die dürftige Kammer ein; wirr glitt ihr Blick darüber hin, ein Grauen kam sie an, — und war’s gestern nicht noch hier wie ein Paradies?!
Sie war das rasche Abschiednehmen vom Ehemann noch nicht gewöhnt; vor zwei Tagen war erst die Hochzeit gewesen. Schluchzend sank sie auf den Schemel am Tisch: „Wanneh kömmste widder?!“
Lorenz saß ihr gegenüber, die Ellbogen aufgestemmt, und stierte in seinen dampfenden Kaffeenapf. „Kreisch net, Bäbbi,“ sagte er endlich; aber es würgte ihn selber in der Kehle, seine Stimme war beklommen.
Sie sagten nichts mehr.
Die bunte Wanduhr in der Ecke tickte, der Zeiger rannte rasend schnell — schon zeigte er beinah vier. Eine fahle Dämmerung schlich durch den düstren Raum; Bäbbi pustete in das Lämpchen, daß es stinkend erlosch.