Oben, längs der Chaussee, auf der Höhe von Schwarzenborn, stand ein Busch, wie ein Haarschopf auf kahlem Scheitel; das war die Grenze, soweit gingen sie immer mit. Da war schon manche Thräne auf den nackten Felsgrund gefallen, und der einsame Busch hatte wie eine dornige Wand letzte Umarmungen versteckt.

Niklas Densborn kommandierte zum Abmarsch, es war hohe Zeit. Noch ein Schluck aus der Branntweinbuttel, die der Krumscheid in die Runde reichte, und dann: — „Voran gemaach!“

Seine Frau am Arm ging der Densborn voran. Die Kathrine hatte schon manches Mal Abschied genommen, die verzog keine Miene. Bald war ihr ältester Sohn fünfzehn, dann wanderte der auch mit; ’s war Zeit, daß der fortkam.

Trapp — trapp — — —. Hart tönen die Schritte auf dem holprigen Dorfpflaster. Trapp — trapp — das klingt wie Hammerschläge auf einen Sargdeckel.

Haus nach Haus vorüber; verödet bleiben sie alle zurück. Leer sind die Gärtchen, thränenschwer nicken die Blumen am Zaun. —

Stumm schreiten sie die Straße gen Schwarzenborn hinan. Alle Gesichter sind grau, alle Blicke trüb, traurig suchen sie den Himmel — oben auf dem Scheitel des Berges ragt der einsame Busch. Eine gelbliche Helle ist um ihn, die ihn dunkler erscheinen läßt, fast schwarz; scharf hebt er sich ab vom weiten Hintergrund des Himmels.

Und dieser Hintergrund färbt sich röter und röter; die wie träumend hingelagerte Wolkenschicht belebt sich, bewegt sich, wird durchschossen von rosenfarbnen Bändern, von goldnen Linien, von feurigen Blitzen. Alles Grau der Wolken ist schon verdrängt. Eine Flamme loht auf, voll, stark, groß — riesengroß — sie leckt himmelan mit gierigen Zungen, mit Windesschnelle greift sie um sich; auf dem Gipfel des Berges entfacht, schlägt ihre lodernde Glut höher und höher, breitet sich weiter und weiter.

Der Busch ist eine Fackel; jeder Zweig ist feurig durchglüht, jeder Dorn, jedes Blatt.

Er brennt, er brennt! Der ganze Berggipfel brennt! Der Himmel brennt!

Ein Riesenbrand ist entglommen, staunend schauert die Erde; ein Feuervorhang verhüllt den Himmel — da — jetzt — jetzt hebt er sich, er zerteilt sich! Ruhig, in majestätischer Größe schwebt ein Ball empor hinter’m Felsgrat, eine goldne Scheibe, eine Welt voll Glanz — die Sonne!