„Frech Dingen!“ Ein Schlag brannte auf der Wange der Kleinen, aber diese ließ nicht nach, sie zerrte die andre am Rock, dabei spitzte sie den Mund und lächelte den Burschen an: „Adjes, Thomas!“ Der küßte zuletzt das hübsche Kind auch noch.

Die Kathrine Densborn reichte ihrem Mann nur die Hand, dann machte sie das Zeichen des Kreuzes.

„Jesus! Maria! Josef! Datste gesond widder kömmst! Zu Weihnacht — vergeß net! — für ons Trautche en Kleid von Kottong,[20] sechs Ehlen — äwer, dat de Farf net schanschört![21] On für mech en Gedrucks, elf Ehlen, et es nor fünnef Viertel breit. Adjes, Nikla!“

„Adjes, Kättche! — Hä, allons,“ schrie der Densborn.

Lorenz wandte sich noch einmal zurück und schaute in’s Thal hinunter; er schwenkte seinen Hut, eigentlich war ihm nun schon ganz leicht um’s Herz. „Adjes, Bäbb,“ murmelte er, und dann pfiff er hell. Da lag die Welt, sonnbeschienen, vor der Arbeit scheute er sich nicht, Pläsier gab’s auch, zu Weihnachten kam man schon wieder nach Hause — warum denn grämen?!

Küsse, Umarmungen, Abschiedsblicke, Abschiedsworte. „Adjes, bring mer ebbes Schienes met!“ — „Schreiw als bal!“ — „On dau aach!“ — „Bleiw gesond!“ — „Grüß ons Könner!“ —

Händeschütteln, Nicken, Winken. Trapp, trapp, fort geht’s! Trapp, trapp! Hohl verklingen die Schritte, hinter der nächsten Erdwelle sind die Männer verschwunden.

Allein. — Da standen sie nun um den einsamen Busch, eine verlassene Herde. Der herbe Morgenwind wehte scharf über’s kahle Plateau; er blähte die Röcke der Frauen, daß sie flatterten wie Flaggen, in der Not gehißt.

„Eweil sein se weg,“ sagte eine und starrte trübselig hinter den Entschwundenen drein.

[IV.]