Peter Miffert saß vor seiner Thür auf dem Bänkchen. Die Beine hatte er weit von sich gestreckt, die Hände hielt er in den Hosentaschen; behaglich schabte er den Rücken an der sonndurchwärmten Hauswand.

Still war die Luft, sehr heiß; zwischen den Bergwänden hatte sie sich gefangen und kochte und brütete da, wie in einem Kessel. Kein Windchen rührte sich, die Bäume regten kein Laub, lautlos schlängelte die Salm ihr sehr schmal gewordenes Silberband gen Himmerod hin.

Hier herauf zur letzten Hütte, abseits von allen übrigen, drang kein Ruf, kein einziger Hall. Im Sonnenbrand lag weiter unten das Dorf, ohne Leben, wie versunken in einen Märchenschlaf; seine kleinen, weißen Häuser, blendend im flimmrigen Licht, duckten sich scheu im engen Thälchen.

Peter dehnte und rekelte sich; dann saß er ganz still, die schweren Lider fielen ihm noch tiefer über die Augen, die Mütze rutschte ihm bis auf die Brauen, er gähnte, daß man seinen allerhintersten Zahn sah. Willenlos wackelte sein Kopf nach der linken, nach der rechten Schulter, dann sank er ihm auf die Brust. Pittchen schlief. — — — — — — — — — —

Frau Zeih war heut nicht zu Hause; ein Reisender in Knöpfen, Litzen und Kleiderstoffen hatte das Dorf passiert, auf dessen Wagen war sie in aller Frühe mit dem Kind zu ihren Verwandten nach Manderscheid gefahren. Sie hatte die Gelegenheit benutzt.

Peter hatte sie vor’s Wirtshaus gebracht und abfahren sehen, hatte dann beim alten Krumscheid einen gekippt und war dann langsam nach Hause geschlendert, um die Ziege und die Hühner zu füttern. Eben wollte er sich von dieser Anstrengung erholen, da kam der Hubert, der Enkel vom alten Steffes, gerannt; der Pflug war nicht in Ordnung, die Stoppel sollte gepflügt werden, es pressierte!

„Gieh nor als voran, ech kommen e su bal als ech kann,“ sagte Pittchen wichtig und schob den kleinen Boten zur Thür hinaus. Dann lachte er in sich hinein — das sollte ihm fehlen, bei der Hitz sich auch noch mit Arbeit echauffieren! Morgen war auch noch ein Tag, vielleicht war’s da kühl genug.

„Uf, dat es en Strawatz!“ Er riß das Hemd auf der Brust von einander und warf sich querüber, mit den Stiefeln, auf das noch ungemachte Bett. Mit schläfrigen Augen starrte er zur niedrigen Decke auf, die der Rauch schwarz gebeizt hatte, an der die Spinnweben in langen Festons hingen, und dachte an seine Frau. Donnerwetter, sah die staats aus, als sie bei dem Reisenden auf dem Wagen saß. Wie ’ne Dam’! Ihr bestes Kleid hatte sie an, auf Kleider hielt sie was; wie lange lag sie ihm schon in den Ohren, um ein neues! Und einen Hut hatte sie auf, den hatte sie sich zurecht gestutzt mit allen möglichen Bandschnippelchen; halbe Tage konnte sie sitzen und an so was herumputzen. Aber wie stand ihr der auch! Unter dem Strohrand mit den blauen und roten Schlupfen lag das dichte Haar schön wellig an den Schläfen; bis auf die Augenbrauen, die wie ein dunkler Strich über die lustigen, hellen Augen zogen, hing es in glänzenden Kräuseln. Dem Reisenden war auch das Wasser im Mund zusammengelaufen, das hatte der Peter wohl bemerkt.

Kotzdonner, war er nicht ein großer Esel, daß er die Zeih mit dem fremden Mannskerl allein fahren ließ?!

Er zog die Stirn kraus; in einer ärgerlichen Unruhe sprang er auf — da — es klopfte schon wieder!