Sie schlug ihn auf die Finger. „Autsch! Bah, dän domme Jong.“ Sie warf die Lippen auf. „Eweil es dän weit weg, waaß Gott, wat dän micht! Et gitt’r aach noch annere — haha!“ Sie lachte hell und neigte sich ganz zu ihm hinüber.
„Dao haste rächt in,“ stimmte er zu.
Sie gefiel ihm immer besser, er begriff nicht, daß er nicht längst mit der Tina angebändelt hatte; so jung wie die, war keine von den andren — und Augen hatte sie! Da kam selbst die Zeih nicht gegen an. Die hier hatte brennende Zündhölzchen im Kopf, mit denen flackerte sie ihm in’s Gesicht, als wollte sie sagen: ‚Brenn dich an; ich brenn’ schon lichterloh!‘
„Dau Racker,“ sagte er, zog sie an sich und küßte sie mitten auf den Mund.
Sie erwiderte seinen Kuß, und dann kicherte sie: „De Katz es net zo Haus, eweil haon de Mäus frei danzen! Dat Zeih —“
„Dat Zeih,“ unterbrach er sie rauh; es schien, als wolle er das Mädchen von sich drängen.
„Ojeh,“ kicherte sie, „dat Zeih werd sech aach schuns amesieren, dän Hähr waor e su onöwel net!“ Sie sah ihn von der Seite an. „Puh, maacht ken e su garschtig Visasch — köß mech, sons kössen ech dech!“
Sie warf sich ihm so stürmisch an den Hals, daß er hintenüber auf einen Schemel fiel. Ihre brennenden Augen sahen ihm gierig in’s Gesicht, ihre Lippen schimmerten blutrot über den spitzigen Zähnchen — das war die junge Katze, die erst kürzlich das Rauben gelernt, auf deren Zungenspitze noch der Blutgeschmack des ersten Fraßes schwebt und sie lüstern auf neuen macht.
Sie saß auf seinem Schoß, ihre Arme umstrickten ihn fester, fester. Er dachte nicht daran, sich zu wehren. Junger Most berauscht am meisten; und dazu kam die geschmeichelte Eitelkeit.
Es war ein heißes Schäferstündchen in der schmutzigen Stube unter der rauchgeschwärzten Decke. Das Herrgöttchen lag am Boden, achtlos trat Tinas Fuß darauf; der goldne Zierrat knirschte unter dem nägelbeschlagenen Schuh. Sie achtete es nicht, sie hörte auch nicht das Huschen unter’m Fenster und das Kraspeln auf der Schwelle.