Alles war dunkler von Nässe, ohne Farbe, schwer und unlustig.
Als Peter am Schneiderschen Häuschen vorbeiging, hörte er hinten vom Stall her, über den Hof weg, jammernde Rufe schallen, Heulen und Winseln. Er guckte in das papierverklebte Fenster vorn neben der Hausthür. Drinnen in der Stube lag der alte Schneider im Bett, da kroch er hinein, sowie es kalt wurde; die Frau saß am Tisch, hatte ihren Kaffeenapf vor sich und tupfte mit dem Finger die letzten Brotbröselchen von ihrer Schürze.
Wieder das Geheul, das nichts Menschliches hatte! Und doch schrie kein Tier.
Peter klopfte an die Scheiben: „Hä, ihr! Wat es denn hei passiert?“
Die Schneidersch öffnete das Fenster ein Ritzchen und steckte ihre spitze Nase heraus. „Dat Bäbb,“ sagte sie lakonisch und wollte eilends wieder zuschlagen, als fürchte sie, ein Atom Wärme möge von drinnen entweichen.
„Haalt!“ Pittchen klemmte die Faust zwischen das Fenster. „Et schreit doch e su! Gieft dann de Weis-Fra von Oberkail net geruf?“
„Saogt doch liewer gleich: dän Hähr Dokter!“ Die Alte wackelte ärgerlich mit dem grausträhnigen Kopf. „Ihr haot wohl dat gruße Los gezillt[29]? Mir sein arme Leit, mir haon neist öwrig. Laoßt se schpektaklen, se werd schuns rohig gänn!“
Und vom Bett her schalt die zornige Stimme des Alten: „Wat es dat for en Manier?! Dat Fenster zugemaach, Zapperloot.“ Er hüstelte und schimpfte; rasch schlug die Schneidersch zu.
Peter zögerte noch einen Augenblick. Horch, wieder schlug der scharfe, gellende Jammerschrei an sein Ohr! Das Blut wich ihm aus dem Gesicht, sein Herz setzte den Schlag aus; ein Grausen kam ihn an. Noch deutlich stand ihm die Stunde vor Augen, in der das Josefchen geboren worden. Aber da hatte die weise Frau am Lager gesessen, ein Strom der Beruhigung ging von ihrer gewichtigen, geheimnisumwobenen Persönlichkeit aus; sie hatte den fetten Zeigefinger erhoben: „Dat elao kömmt e su leicht dervon wie en Katz. — Pittchen, kocht mer en Kaffee!“
Und jene da, abseits in der Kammer neben dem Stall, lag verlassen wie ein hilfloses Tier. Peter rannte weiter, er konnte das Jammern, das jetzt in ein ruckweises Stöhnen überging, nicht mehr anhören; das Herz wurde ihm davon zusammengepreßt und die Tropfen herausgequetscht. Sie traten ihm in die Augen.