Geld, Geld! Ja, wer Geld hatte, der konnte sich alles gewähren, auch Hilfe in der Not! Der brauchte nicht zu leiden.

Geld, Geld! Eine Gier überkam ihn. Er fuhr sich in die Tasche — verflucht, nur ein paar lumpige Kupferpfennige darin!

Ja, wenn da Thaler geklappert hätten, harte Silberthaler! Dann konnte er der Zeih ein Kleid kaufen — noch mehr — alles, was ihr Herz begehrte! Dann würde sie nicht im Wirtshaus sitzen und dem Reisenden um den Bart gehen; sie würde nicht mehr schmollen, nicht mehr weinen, nein, sie würde die Arme um seinen Hals schlingen und unter Küssen flüstern: ‚Pittchen, mein anziger Schatz, wat haon ech dech liew!‘

Der Schweiß trat ihm auf die Stirn, tropfte herunter und vermischte sich mit dem Naß seiner Augen. Und dabei überlief ihn ein Frösteln. ‚Mir sein arme Leit‘, hatte die Schneidersch gesagt — — — — —

‚Arme Leit — armes Pittchen‘ pfiff der Wind ihm entgegen. Wie mit Geisterhand strich es ihm über’s Gesicht. Wenn die Bäbbi nun umkam, krepierte da hinten in der verlassenen Kammer —?! Wenn die Zeih ihm untreu wurde —?! Er schüttelte sich wie im Fieber, eine unbezwingliche Angst packte ihn und zugleich ein Grimm. Er ballte die Faust im Sack in ohnmächtiger Wut. — Geld, Geld!

Immer noch hörte er das Jammern, es mischte sich mit dem Sausen des Windes und dem Brausen der Salm. Zweifelnd, unschlüssig stand er. Sollte er nicht hinlaufen nach Oberkail und auf eigne Faust die weise Frau holen? War es nicht Menschenpflicht, Christenpflicht? Würde ihm die Gutthat nicht vergolten werden vom himmlischen Vater, schon hier auf Erden, bald, jetzt?

„Hahaha!“

Wer hatte da gelacht?! Erschrocken sah er sich um, das eigne Hohngelächter gellte ihm in den Ohren.

Der da oben — haha — ja, das hatte sich was mit der Vergeltung. Die gab’s nicht.

Er hatte ein Hungerleben geführt, seit er denken konnte; war’s nun nicht endlich Zeit, daß er in der goldnen Kutsche fuhr und seiner Zeih Kleider kaufen konnte, so viele die wollte?