Eine Flasche Erdener hatten sie vor sich, eine geleerte stand schon am Boden. Der mußte der Zeih fleißig eingeschenkt haben; sie glühte wie roter Mohn, ihre Augen waren kleiner geworden und schwimmend.

Als sie ihren Mann erblickte, sprang sie freudig auf. „Pittchen! Eweil kommste?! Hähr Reisender,“ — vertraulich legte sie ihre Hand auf den Arm des Städters — „wollen Se eweil net su gud sein, on Ihr Mustren nehme giehn? Dat Pittchen es hei, for dat Kleid zo kaafen!“

War sie toll? Peter zupfte sie am Rock, er riß ihn ihr fast aus den Falten; sie hörte nicht. Beide Ellbogen auf den Tisch gestemmt, studierte sie das Musterbuch, das ihr der Reisende vorgelegt hatte.

„Dat rote oder dat blaoe? Wat es nau schiener?“ Sie legte zweifelnd den Kopf auf die Seite.

„Nehmen Sie das blaue,“ redete der Reisende zu, „die Elle kostet nur ein Kastemännchen[30] mehr. Sie haben dafür aber ganz andre Ware. Ein Kastemännchen spielt doch keine Rolle!“

„Nä,“ sagte Lucia.

Peter gab ihr einen Puff. „Biste gäck?“ raunte er ihr zu.

„Also das blaue?“ fragte der Reisende.

„Dat blaoe. On wie vill Ehlen haon ech netig?“

„Siebzehn. Pro Elle fünfzehn Silbergroschen, macht fünfundzwanzig Mark fünfzig Pfennig, oder — die neue Währung werden Sie hier noch nicht so recht kapieren — acht Thaler fünfzehn Silbergroschen. Für dieses Kleid ein Spottgeld!“