„Ich werde unserem Geschäftshaus Order geben, daß man Ihnen mit wendender Post per Nachnahme das Gewünschte zugehen läßt, Herr Miffert!“

„Wohl, wohl,“ nickte Peter. Lucia hing an seinem Hals, ganz närrisch vor Freude.

„Es ’t waohr, es ’t aach wirklich waohr? Kriehn ech dat Kleidche? O Pittchen, ech haon dech e su liew!“

Das war’s, worauf er gewartet hatte. Nun mit ihr allein sein, nun sie herzen und drücken und sich betäuben an ihren Küssen! Er wollte sie zur Thür ziehn; willig wäre sie mit ihm gegangen, aber der Reisende vertrat ihnen den Weg.

„Das wäre! Ne, Sie dürfen mich nicht hier mutterseelenallein sitzen lassen, bei dem abscheulichen Wetter, in diesem öden Drecksnest! Habe ich Ihnen dafür zu dem Kleid verholfen, schöne Zeih? Kommen Sie, Miffert, wir trinken en Schöppchen!“ Er pfiff und sang:

„Dann setzen wir uns hin,
Wohl auf das Kanapee,
Und singen: Dreimal hoch
Das Kanapee!

Das neueste vom Jahr, frisch importiert aus der Haupt- und Residenzstadt Berlin. Ja, seit wir Siebzig-Einundsiebzig hinter uns haben, haben wir Pli gekriegt. Sowas kennen Sie hier noch nicht, was?“

„Dat es schien!“ Zeih riß begierig die Augen auf. „Sein Se so gud, singen Se’t noch ehs!“

Als er den Singsang wiederholte, summte sie mit; sie hatte ein gelehriges Ohr.

Und der Reisende gab Couplet auf Couplet zum besten, sie konnte sich gar nicht satt hören; ihre Augen tanzten förmlich, ihre Lippen bewegten sich, leis murmelnd, wie beim Rosenkranzbeten.