Pittchen hatte den Arm um sie gelegt. Der Reisende hatte ihm eingeschenkt, nun wurde auch er fidel.
Der Nachmittag ging schon in den Abend über; die frühe Dämmerung stahl sich in’s Fenster, noch früher als sonst durch den finster umzogenen Himmel und die regenschwangere Luft.
Der Krumscheid brachte schon wieder eine Flasche und zwar nicht vom schlechtesten. Das war ein Mosel, der sich süffig trank, aber der’s in sich hatte; er lief durch die Adern, wie prickelndes, fröhliches Leben.
„Spielen Sie auch Karten, Herr Miffert?“ fragte der Reisende. Die hübsche Frau fing an, ihn zu langweilen; da er doch nicht mit ihr allein war, was nutzte ihm da ihre Bewunderung?! „Machen wir ’n Spielchen!“
Peter dachte an seine paar Kupferpfennige. Verflucht, wenn er jetzt Geld hätte! Die Eifeler spielten nicht gern mit ihm, sie schimpften ihn ‚Fauteler‘[31], und wenn er gewann, gab’s jedesmal Prügelei. Fatal, nun hatte er so schöne Gelegenheit, seine Geschicklichkeit zu nutzen, und da mußte er nun kein Geld haben, nicht einmal den niedrigsten Einsatz! Geld, Geld — —! Seine Augen funkelten.
Der Reisende warf einen Thaler auf den Tisch. Als hätte er Pittchens Gedanken erraten, sagte er: „Ich pumpe Ihnen. Was spielen wir denn?“
„Sechsunsechzig. Hä, Wirtschaft, Kaarten! Licht.“ Peter mischte; die verfetteten, vom Schmutz dick gewordenen Karten flogen durch seine Hände, als seien es Rosenblätter. Und dabei wendete er keinen Blick von dem Thalerstück auf dem Tisch, wie ein Magnet zog ihn das runde Silber an. Solcher Dinger brauchte er acht — nein, noch mehr, mehr! Er hatte das Hungerleben satt.
Unwillkürlich, fast wider seinen Willen, streckten sich seine Finger aus; er nahm den Thaler in die Hand und betrachtete ihn.
„So gut wie neu,“ sagte der Reisende, „und ganz echt. Unser Kassierer hat sich mal ’nen falschen anschmieren lassen; den haben wir ihm an die Kasse genagelt — haha! Aber nu los; nu wollen wir sehn, wer mehr Glück in der Liebe hat — Sie oder ich!“ Er sah dreist die junge Frau an und lachte.
Peter lachte auch; ein schlaues und zugleich grimmiges Lächeln verzog seine Lippen.