Sie spielten. Den Reisenden amüsierte es, wie eifrig der arme Teufel bei der Sache war. Hätte man wohl einem hier aus dieser ‚zurückgebliebenen, unkultivierten Gegend‘ so viel Gewandtheit zugetraut? Und Glück hatte der. Immer bekam er die besten Karten; er gewann.

Zeih sah dem Spiel zu, das heißt, sie blinzelte mit verschlafenen Augen drein, der ungewohnte Weingenuß hatte sie müde gemacht; sie lehnte sich hintenüber an die Wand. Pittchen bemerkte nicht, daß der Reisende unter’m Tisch ihr Knie drückte. Sie ließ es sich gefallen, sie rückte ihm näher, ihr Kopf neigte sich immer mehr zur Seite, bis er ihm an die Schulter sank. Sie hatte einen kleinen Rausch.

Draußen war es stockdunkel. Regen klatschte an’s Fenster, ein starker Wind hatte sich aufgemacht und heulte mit wilder Stimme. Ungestüm stieß er gegen das Haus, die Läden klapperten, lose Riegel drehten sich kreischend. Es war ein seltsames Pfeifen und Ächzen, ein unheimliches Wimmern in der Nacht.

Peter war ganz beim Spiel, auf seinen Backenknochen zirkelten sich rote Flecken ab. Der Reisende schenkte ihm wacker ein; er trank wacker aus. Er hatte einen unauslöschlichen Brand in sich, einen Durst, der gar nicht zu stillen war. Schon wurde sein Blick unklar, er sah alles doppelt. — — — — — Da war das Thalerstück, nicht einmal, nein, zwei, drei, vier, fünf, sechs, siebenmal — hundertmal! Hei, die Thaler! Das war schön, wenn die sich so mehrten. Thaler — wie die sich in der Hand fühlten, glatt und rund! Thaler — die klapperten im Sack; herrliche Musik! Thaler — die machten den Knecht zum Herrn, das arme Pittchen zum reichen Peter! Thaler — Thaler — — — —!

Er schnalzte mit der Zunge und leckte sich die Lippen; der Gaumen war ihm trocken, sein Schlund war so ausgebrannt, wie oben der Krater auf dem Mosenkopf. Mechanisch ergriff er sein schon wieder gefülltes Glas und trank es leer auf einen Zug.

„Glück im Spiel, Unglück in der Liebe,“ lachte der Reisende und legte der verschlafenen Zeih den Arm um die Schultern. „Da, stecken Sie ein, Sie haben ihn gewonnen!“ Er schob den Thaler über den Tisch.

Peter faßte gierig zu und hielt dann das Thalerstück fest in der krampfhaft geschlossenen Faust. Er achtete es nicht, daß der Herr jetzt die Zeih küßte; all seine Sinne, sein ganzes Denken waren bei dem runden Silber. Es blinkte überall, auf dem Tisch, auf dem Boden, an den Wänden, es füllte den Raum von der Diele bis zur Decke.

„Tha—ler,“ lallte er.

„Ehr—lich — ge—won—nen!“ sagte der Reisende. Jede Silbe kam zwischen einem Schlucken. Er war auch nicht mehr ganz nüchtern.

„Mei — mei Kleid,“ stammelte die Zeih.