Er wurde plötzlich so wütend, daß er Miene machte, sich auf die Schneidersch zu stürzen. „Wat haot Eich dat arm Dier gedahn, dat Ihr et krepiere laoßt, lao hinnen im Stall — hä?“
Er rüttelte die Alte. „Wuh es de Weis-Fra, hä, dau schandluse, alde, knahschtige[33] Hex?!“ Seine Hand hob sich zum Schlag, die Alte wich aus, das Mäßchen wackelte, kippte über, der Branntwein floß auf die Diele.
Kreischend und schimpfend kauerte sich die Schneidersch nieder und tupfte mit dem Finger den köstlichen Fusel auf; sie leckte und schleckte, am liebsten hätte sie die Diele mit der Zunge aufgewischt.
Der Reisende wand sich vor Lachen — war dieses arme Volk urdrollig! Er lachte Thränen.
Peter stand mit geballten Fäusten; wollte er die Alte niederschmettern? Nein, er gab sich selbst eins vor die Stirn, daß er ein paar Schritt zurücktaumelte.
„Wirt, geben Sie der Frau doch ’n ordentlichen Droppen für ihren Durst,“ rief der Reisende. „Hahaha! Auf meine Rechnung!“
Krumscheid näherte sich mit Schnapsflasche und Mäßchen; fluchend riß ihm Pittchen die noch halbvolle Buttel aus der Hand, setzte sie an und trank sie leer. Grell lachend taumelte er dann gegen die Wand.
Er hatte genug. Jetzt fühlte er nicht mehr Gewissensbisse, jetzt hörte er nicht mehr Jammern und Winseln draußen in der Nacht. Jetzt plagte ihn der Thaler nicht mehr, der Teufel, der rund und blank über den Tisch kollerte.
Mit verglasten Augen, den Kopf auf die Brust hängend, torkelte er zur Stubenthür.
Zeih sprang auf. „Eweil moß ech giehn, ech kann eweil net mieh hei bleiwen!“