„Pittchen, hä, Pittchen, mir haon jao wat vergäß!“ Sie lachte und fing an, Hose und Rock, die am Fußende lagen, zu untersuchen. „Hei!“ Sie hielt triumphierend den Thaler in die Höhe, „eweil sein mir aus aler Bredullich!“[34]

Er hatte sich halb aufgerichtet, mit blöden Augen starrte er sie an. Jetzt schien ihm plötzlich das Verständnis zu dämmern, mit einem Satz war er aus dem Bett und zog ihr den Arm herunter. „Giefste här!“

Sie nahm das als Spaß und lachte vergnügt.

Er riß ihr unsanft das Geldstück aus der Hand. „Onnerstieh dech noch ehs. Dän Dahler es mein!“

„Äwer Pittchen!“ Ganz betroffen sah sie ihn an — was war ihm denn? Sonst behielt er doch nichts für sich!

Sie streckte wieder die Hand aus: „Gief doch här, ech moß ebbes kaafe giehn. Et es su kalt hei, ons Josefche hust!“

„Laoß mech zofrieden,“ murmelte er, sprang wieder in’s Bett und hielt den Thaler in der geschlossenen Faust unter der Decke versteckt.

„O Jesses, on ech haon e su en Appetitt!“ Thränen füllten rasch ihre Augen, aber sie sagte nichts mehr; Vorwürfe machen, war nicht ihre Art, sie nahm’s eben, wie’s kam. Resigniert setzte sie sich wieder auf ihren Schemel.

Das Kind fing kläglich an zu wimmern; Peter sah das erbärmliche Gesichtchen, so welk und alt wie das eines Alraunen. Er sah die dünnen winzigen Hände, die in der Luft herumgriffen, und jetzt hörte er das Husten, das Rasseln auf der kleinen Brust und den pfeifenden Atem. Er sah auch, daß Zeih weinte. Die dicken Thränen rollten ihr über die heut gar nicht blühenden Wangen. Sie kam ihm plötzlich ganz elend und abgezehrt vor.

Es gab ihm einen schmerzhaften Stich durch’s Herz; nur ein Wort hätte es ihn gekostet, eine Handbewegung: ‚Da hast du den Thaler‘, und sie wäre aufgesprungen mit einem lustigen Juchhe, Freudenröte auf den Wangen.