Nein, nein! Wie ein Verzweifelter preßte er den Thaler zwischen den Fingern; er konnte sich nicht von ihm trennen. Der lag wie Blei in seinen Händen, der klebte daran fest. Als hätte das tote Metall Leben bekommen, so dehnte es sich in seiner Hand — es wurde größer und größer, immer schwerer und schwerer, es nahm ihn ganz in Beschlag mit Leib und Seele, es wuchs und wuchs. — — — — Und eine Stimme bekam es, die flüsterte, nur ihm allein verständlich, flüsterte und flüsterte — — — — — — — — —

Durch Peters Kopf rasten seltsame Gedanken. Sie wurden darin herumgewirbelt, wie welke Blätter im Gewittersturm. Düster hafteten seine Blicke auf dem weinenden Weib und dem elenden Kind, glitten an den öden Wänden auf und nieder und fuhren unstet durch die kalte armselige Stube.

Immer dringlicher flüsterte die verführerische Stimme, immer verständlicher, immer klarer; und er lauschte ihr, den Kopf auf die Brust geneigt, ganz versunken.

Es klopfte; er fuhr aus seinem Brüten auf.

Ein kleiner Schuljunge trat ein, Tafel und Federrohr unter den Arm geklemmt; sehr wichtig und hochgeehrt durch den ihm gewordenen Auftrag, brachte er seine Botschaft vor:

„Dän Pittchen soll eweil gleich beim Hähr Pastor in de Kerch kommen, dän Kronleuchter es erunner geporzelt. Hän leit eweil uf em Boden!“

„Laoß hän liegen,“ brummte Peter. Er war unwillig, wollte nicht gestört sein; er mußte lauschen, der Stimme lauschen, die so vernehmlich zu ihm sprach. ‚Arm, arm — warum brauchst du arm zu sein? Es liegt nur in deiner Hand — in deiner Hand —!‘ Ja, in seiner Hand lag das Thalerstück, das kleine und doch so mächtige Ding, das, nur von Menschenhand geschaffen, doch die Welt regierte, tausendmal mächtiger, wie der Herrgott im Himmel.

„Wat stiehste noch hei?“ fuhr er den Knaben an. „Hei gänn kein Maulaffen feil gehaal!“

„Ihr sollt eweil kommen, bei den Hähr Pastor,“ beharrte der Junge.

„Jao, gieh doch, Pittchen,“ mischte sich die Zeih ein.