„Nun, nun,“ — der geistliche Herr lächelte arglos — „das ist doch keine Beleidigung! Du bist zu bescheiden, mein Sohn. Was du zur Ehre der Kirche versuchst, wird dir schon gelingen. Die Heiligen werden deine Arbeit segnen, die allergnädigste Himmelskönigin wird sich deiner erbarmen.“ Er hob die Hand. „Sei ohne Furcht.“ Und dann in minder weihevollem Ton: „Wir haben da vielerlei altes Zinngerät in der Sakristei; wir wollen einmal nachschauen, Miffert, ob Ihr davon nichts zum Ausbessern verwenden könnt. Zinn schmilzt leicht; schön verarbeitet, ja, ja, kann man’s von Silber kaum unterscheiden!“

Wieder dies seltsame, rasche Aufblitzen in Peters Augen. Er widersprach nicht mehr.

In der Sakristei war es kellrig und roch nach Moder und Weihrauch; Peter schloß die Thür hinter sich.

Da hingen Chorhemden und Meßgewänder; ein in Schweinsleder gebundenes Buch lag auf dem Tisch, lauter Requisiten für den Gottesdienst. Peter entsann sich wohl, wie er als kleiner Junge hier einmal hineingeschlüpft war und mit andachtsvoller Neugier alles durchmustert hatte. Die Neugier war noch da, aber die Andacht war weg.

Seine Blicke stöberten in allen Winkeln herum und blieben dann auf dem alten Schrank in der Ecke haften; da mußte das Zinngerät drin sein! Er hätte hinstürzen mögen, ihn aufreißen — Zinn, Zinn! Bald hielt er’s in der Hand, ein Metall, aus dem sich was formen und gießen ließ, man mußte es nur verstehen.

Seine Hand tastete verstohlen nach dem Thaler in der Brusttasche. Der war noch da! Er preßte die Hand fest dagegen; so drückte er ihn an’s Herz.

Umständlich rasselte der geistliche Herr mit dem Schlüsselbund; endlich hatte er den richtigen Schlüssel gefunden. Knirschend drehte sich der rostige Bart im Schloß; widerwillig gab es nach und sprang so schwer auf, daß Wurmmehl aus der zerfressenen, dunkelgebeizten Schrankthür stäubte.

Da stand die Monstranz, verhängt mit weißem Mulltüchlein, neben Kelch und Hostienschrein; im zweiten Gefach ein paar Weinflaschen zur Stärkung für den Geistlichen. Und da, im alleruntersten Fach, verstäubt und zerbrochen, lauter altes Gerümpel; darunter eine verbeulte Taufschale. Und hier, mit den gebrochenen Enden herausragend, ein paar in Stücke gegangene Altarleuchter.

Der Geistliche bückte sich und kramte in dem Wust. Peter beugte sich über seine Schulter, den Mund offen, die Augen aufgerissen, rasch atmend.

„Da,“ sagte der Kaplan und streckte ihm ein paar Leuchterarme hin, „nur Zinn, aber jetzt Goldeswert. Ist das genug zur Reparatur?“