Peter hatte mit einem raschen Blick alles überflogen; auf die Taufschale sehen und sie über die Schulter des andren weg herauszerren, war eins. „Nä,“ sagte er schnell, wog die Schale einen Augenblick in der Hand und versteckte sie dann halb hinter’m Rücken, „dat haon ech eweil aach noch nedig!“

„Nimm dir nur! Nimm dir nur, was du brauchst, mein Sohn,“ schmunzelte der Pfarrherr, erfreut über Peters Willfährigkeit. „Alles noch aus dem vorigen Jahrhundert, wertloser Plunder; da mußte sich unsere Kirche zu ihren heiligen Zwecken armseliger Zinngefäße bedienen. Aber die Heiligen werden es in deiner Hand segnen. Uff“ — er erhob sich seufzend von den Knieen und stäubte seine Hosen ab — „ist das eine Ungelegenheit! Hätt’ ich das heute morgen geahnt, als ich so friedlich schlummerte! Nun geh, mein Sohn!“ Er legte seine Hand, wie segnend, auf Peters Schulter. „Du leihst deine geschickte Hand zu gutem Werk. Quod bonum felix faustumque sit. Hol dir den Kronleuchter beizeiten ab, der Küster wird dir helfen.“

Peter antwortete nicht mehr; die Taufschale vorn unter’m Rock versteckt, die Leuchterarme, allen sichtbar, in der Hand, eilte er zur Kirche hinaus.

Draußen gesellte sich Tina zu ihm; sie sah verfroren aus und drängte sich dicht an ihn, als suche sie Wärme bei ihm.

„Biste mer bees, Pittchen?“

„Nä,“ murmelte er zerstreut.

Sie trippelte neben ihm her. „Pittchen, maachste am Sonntag met nao Oberkail? Se danzen beim Pauly. Holste mech bei de Muhsik, dann“ — in ihrem Blick lag eine glühende Verheißung.

Als er schwieg, funkelten ihre Augen; sie verzog spöttisch den Mund. „Olau, et es nor gud, dat dernaoch de Mannsleider widder kommen. Dau bis e su en power Luder, hast net emaol e Kastemännche, om dei Mädche zo traktieren!“

Das traf! Er fuhr in die Brusttasche und ließ seinen Thaler um ein weniges herausblinkern. „Kuckste eweil, dat ech net e su power bin, hä? Wann ech nor will. Äwer“ — er schüttelte verneinend den Kopf, drehte ihr den Rücken und ging mit großen Schritten davon; er lahmte heute gar nicht, er ging so aufrecht und forsch, wie einer, der den Sieg in der Tasche trägt.

Mit offnem Mund sah ihm Tina nach — einen Thaler, so viel Geld?! Wie der Wind lief sie hinter ihm drein; als sie ihn erreicht hatte, faßte sie ihn am Rockschoß. „Hä, Pittchen, hä, wuher haste dän Dahler? Sao’t mer doch, Pittchen, mei liew Pittchen!“