Himmelkreizgewieder!“ schrie er, zusammenschreckend, dann plötzlich seine Frau an, „wat willste hei? Weibsbiller haon hei neist zo suchen!“ Er schob sie aus der Kammer und schloß zu.

Mit dem Kind auf dem Arm ging Lucia hinunter in’s Dorf. Trotz des unlustigen Wetters ständerte sie an den Thüren herum und schwatzte. Diese und jene rief sie herein; dann setzte man ihr einen Kaffee vor und ein Schmierchen und fragte sie aus nach Leibeskräften.

Wie ein Lauffeuer hatte sich’s im Dorf verbreitet: der Miffert hatte eine Erbschaft gemacht! Wer es aufgebracht, wußte man nicht recht; aber man schwur darauf, wie auf das Amen in der Kirche.

Lucia lachte harmlos dazu, sie sagte nicht ‚nein‘ und nicht ‚ja‘ — was wußte sie denn davon? Aber sie nützte die Gelegenheit; so bereitwillig zum Geben waren die Weiber noch nie gewesen. Als sie wieder zur Hütte hinaufstieg, war sie schwer beladen, mit Kartoffeln, Brot und Speck; sie hatten für ein paar Tage genug daran. Satt und behaglich schlief sie ein.

Erst lange nach Mitternacht, die Hähne krähten schon den grauenden Morgen an, suchte Pittchen sein Lager auf.

Aus dem Spiegelscherben neben dem Bett starrte ihn ein fahles, seltsames Antlitz an. So hatte der Peter noch nie ausgesehen, er erschrak vor sich selber. Seine Lippen waren fest aufeinander gepreßt, als hätten sie ein Geheimnis zu verschließen; seine Augen fuhren scheu lauernd umher, wie die eines Diebes, der Überraschung befürchtet.

Eine Maus kraspelte; er schrak zusammen und löschte rasch das Lämpchen.

Ein Mondstrahl stahl sich durch das verhängte Fensterchen und malte helle, runde Lichtflecke auf die Thür zur Nebenkammer. Peter schlüpfte im Hemd, auf bloßen Füßen an’s Fenster und zog den Lumpen fester vor, prüfte sorgsam, ob die Thür der Werkstatt verschlossen, und verbarg den Schlüssel hinter einem losgebrochnen Stein des Herdes.

Dann erst kroch er fröstelnd in’s Bett. Aber er wurde nicht warm. Von Schauern überrieselt, mit brennenden, weitoffnen Augen lag er, von Zweifeln und Ängsten beschlichen. Würde es ihm auch gelingen?! — — — — Was hatte der Pfarrer gesagt? ‚Die Himmelskönigin wird sich deiner erbarmen!‘ — — — — „Ech gelowen der en Kerz, e su dick wie mein Arm, nä, noch dicker,“ murmelte er. „Nä, zwa! On en Kleid von Seid, on Messen for de armen Seelen im Fegfeuer.“

Bah, was ging denn nur mit ihm vor?! Er riß die gefalteten Hände auseinander — so rasch ein Betbruder geworden? Das sollte ihm fehlen! Seine Gesichtsmuskeln zuckten in einem höhnischen Grinsen — nur keine Furcht!