„Wän net wagt, dän net gewinnt,
Wän net sucht, dän net findt,“
sagte er sich laut vor. Wo Reichtum und Armut so ungerecht verteilt sind, muß man da nicht selber suchen, sich was zu verschaffen? Wer zuerst beim Weihwasser ist, segnet sich zuerst. Und hatte ihm die Heilige nicht selber den Weg gewiesen?
„Jao, jao,“ — er bekreuzte sich nun doch unter der Bettdecke — „unsre liebe Fra, gelowt sei se!“ Die hatte das so gewollt; die war dem Pittchen gut, wie alle Weiber. Die hatte den Kronleuchter stürzen lassen; die hatte ihm das Zinn und das silberne Taufbecken in die Hände gespielt; die hatte dem armen Pittchen helfen wollen, die würde ihn auch ferner nicht im Stich lassen.
Seine Aufregung legte sich allmählich, die finstren Falten auf seiner Stirn glätteten sich.
Allerhand liebliche Bilder kamen. Wenn er sich auch erst unruhig warf und stöhnte, daß die Zeih aufwachte und erschrocken den Arm um seinen Hals schlang, bald schlief er sanft.
Er lag noch und schnarchte, als der Pfarrherr den Küster schickte und fragen ließ, wie dem Pittchen die Arbeit gelinge?
[VIII.]
Der alte Krumscheid knallte mit seiner Peitsche, daß Krähen und Spatzen entsetzt aufflatterten und magere Häschen sich in den kotigen Ackerfurchen versteckten. Wenn die lange Peitschenschnur sich in den nackten Ebereschenzweigen, rechts und links von der Straße, verfing, fluchte er und riß und zerrte. War es ihm endlich gelungen, loszukommen, weifelte er hin und her und setzte dann in Bogen und Zickzacklinien seinen Heimweg fort.
Er kam von Spang-Dahlem, da hatte er eine trächtige Kuh verkauft; ein gut Stück Geld trug er im Lederbeutel, unter’m Mantel versteckt, auf dem Leib. Kein Wunder, daß er einen Kleinen sitzen hatte; in Oberkail war er auch noch einmal eingekehrt.
Als er zum Dorf hinaus war, stieß er auf Pittchen; fast schien es so, als hätte der da auf ihn gepaßt. Pittchen kam auch von Oberkail, hatte sich beim Maurer dort ein Säckchen Gips geholt, eine recht reichliche Portion, zum Eingipsen des Kronleuchters in der Kirche.