„Jesses!“ Der Alte klammerte sich fest an den stützenden Arm. „Kriehn ech se dann aach widder, mein Dahlersch?“ stammelte er ängstlich.
„Uf Ehr on Säligkaat,“ sagte Pittchen feierlich. „Hopp! Maacht, gieft Obacht, eweil kunnt Ihr dat Genick brächen, wann ech net derbei waor!“
„Jeßmarijusep!“ Der Alte knöpfte schon seinen Mantel auf; Pittchen half ihm dabei, allein konnte der Krumscheid nicht mehr damit zu stande kommen.
Auf einem Stein am Weg kramten sie den Beutel aus; die Papierscheine schob Pittchen mit Verachtung zurück, aber die harten Thaler, die darin waren — grade acht — packte er mit Gier. Er betrachtete sie scharf — lauter Thaler verschiedener Prägung, schon durch viele Hände gegangene; die Bildnisse verwischt, die Schrift nicht mehr leicht leserlich, das fein Gekerbte des Randes etwas abgegriffen. Er klopfte sie prüfend an den Stein. Waren sie auch echt? Sie gaben keinen sonderlich hellen Silberklang mehr.
Mit einem tiefen Aufatmen, sehr befriedigt, steckte er sie in die Tasche. Dann führte er, sorgsam wie eine Mutter, den jetzt völlig Sinnlosen den abschüssigen Weg in’s Thal, leitete ihn gutmütig bis in die Schenkstube und half ihm sogar selber noch in’s Bett.
Es war ganz dunkel, als er nach Hause ging.
Zeih hatte ein Talglicht brennen; eine leere Flasche diente als Leuchter. Sie hatte es auf den nun einzigen Schemel der Stube gestellt und kauerte davor am Boden, wie ein Türke, mit untergeschlagenen Beinen.
Josefchen schlief fest in seinem Weidenkorb; sein Gesichtchen, mit dem unkindlich spitzen Näschen und den wachsgelben Wänglein, sah aus wie das eines toten Kindes.
Das armselige Licht flackerte mit langer Schnuppe und stank abscheulich nach ranzigem Fett; auf dem Herd schwehlte Reisig, warf ab und zu einen aufzuckenden Schein über die Wände und sank dann jäh wieder zusammen. Das gab dem öden Raum etwas Leeres, Ausgestorbenes. Die nackten Mauern glichen Grabmauern in der gespenstischen Beleuchtung.
Nur Zeih atmete volles Leben. Über ihrer üppigen Brust straffte sich die bunt-baumwollene Nachtjacke, der oberste Knopf war nicht geschlossen, man sah die weiße Kehle schimmern. Aus den Flechten hatte sie die Haarnadeln gezogen, nun hingen sie ihr halbgelöst herunter, und das flackernde Licht warf einen goldenrötlichen Glanz auf ihr Braun. So sah sie fast mädchenhaft aus, trotz ihrer Fülle von einer keuschen Lieblichkeit.