Mit flinken Fingern kramte sie in dem bunten Gelappe auf ihrem Schoß — hier ein Bandflickchen, da ein Spitzenendchen — es war rätselhaft, wo sie das alles aufgetrieben hatte. Nun langte sie neben sich und hielt die Taille des roten Sonntagskleides gegen’s Licht — an der Brust ganz speckig gerieben, alle Nähte blank, der Stoff so fadenscheinig abgetragen, daß das Licht durchschimmerte, wie durch ein Spinngewebe.
Sie seufzte. Schade, daß das neue Kleid nicht schon fertig war! Der Stoff war noch nicht einmal angekommen; was hätte sie sonst für einen Staat machen können, morgen zu Oberkail! Jammerschade!
Ein paar Augenblicke ließ sie die Lippen hängen, aber gleich darauf hoben sich die Mundwinkel wieder in einem vergnügten Lächeln. Ei was, amüsieren würde sie sich auch in dem alten Kleid, war nicht der schöne Gendarm da?! Und wenn der nicht, dann doch andre!
Es wurde ihr heiß, wenn sie an die Lustbarkeit dachte; sie öffnete die Nachtjacke weiter über der Brust. Pittchen mußte mit ihr hingehn, er mußte; hei, das würde fidel werden! Sie hielt den hübschen Kopf schief über ihre Arbeit geneigt und summte sich halblaut eins.
Da knarrte die Thür; Peter trat ein.
Mit einem unterdrückten freudigen ‚Jesses‘ sprang sie ihm an den Hals.
Er war durchfroren; das Haar hing ihm, vom Nebel genäßt, in die Stirn.
Sie ließ ihn gar nicht zu Atem kommen. „Pittchen, mir maachen morjen nao Oberkail, gäl? Dau giehst met mer danzen, gäl?“ Sie flüsterte und drückte ihn heftig an ihre weiche volle Brust.
„Watt dann?“ Er sah sie verwundert an. „Wie kömmste e su im Momang dao druf? Wän haot dir dat in dän Koap gesetzt?“
„Dat Tina waor hei,“ sagte sie hastig. „Et saot, dau hättst em versproch, dau wollst et metholen nao Oberkail. Kuckste hei?“ Sie hielt ihm die Wange hin, über deren weiches Fleisch sich ein scharfer Kratz zog. „Mir haon en ordentlichen Diskurs gehaott. Äwer ech giehn met. Jesses“ — sie machte einen kleinen Hopser — „ech hören se schuns fiedeln! Gäl, Pittchen, mir giehn daor?“ Sie blinzelte ihn mit schwimmenden Augen an.