Innen Gemurmel, als ob einer betet oder Geister beschwört.

Draußen erhob der Nachtwind ein stöhnendes Geheul. Das pfiff und ächzte und tobte und johlte; das Wodesheer jagte im Kunowald, oder der Teufel rief die Hexen auf dem Tanzplatz bei Großlittgen zusammen. Der wilde Herbststurm riß am Strohdach, nicht viel fehlte mehr, und die Hütte wurde abgedeckt. Eine schauerliche Nacht.

Sie fror in dem dünnen Hemd, das ihr nur bis zu den Knieen reichte. Zitternd schlich sie in’s Bett zurück. — — —

Vorwurfsvoll blickte Lucia Miffert am andren Morgen in der Sonntagsmesse zur Kirchenwölbung auf, an der ein großes Loch die Stelle zeigte, wo der Kronleuchter gehangen. „Dau,“ murmelte sie drohend und ballte die Faust in den Falten ihres Kleides. „Brauchst dau erunner zo porzeln, konntste net waarten bis morjen? Eweil däht hän heit met mer nao Oberkail giehn!“

So war mit dem Peter nichts anzufangen; der bastelte den ganzen heiligen Sonntag in seiner Werkstatt und wurde unwirsch, wenn man ihn störte.

Sie betete recht angelegentlich zur Jungfrau Maria; wenn die ihr doch einen schickte, der sie mitnähme!

Am frühen Nachmittag wusch und strählte sie sich noch einmal; die Haare glänzten ihr wie Seide auf dem wohlgeformten Kopf, das Kleid sah doch noch erträglich aus, nun sie es mit einem Spitzenkrägelchen, von einer gelben Bandschleife geschlossen, ausstaffiert hatte. Mit Wohlgefallen guckte sie in den Spiegelscherben. Hei, wie die Ohrringel blitzten, wie pures Gold! ’s war zwar nur blankgeputztes Messing, ein Hausierer hatte ihr die Ringelchen einmal eingetauscht gegen alte Lumpen; freilich, ein paar handvoll Federn aus dem Bett hatte sie auch noch mit dreingeben müssen.

Mit naiver Freude besah sie sich lange, dann trat sie vor die Hausthür, stemmte die Arme in die Seiten und lugte aus.

Jesus, Maria, Josef! Wer kam denn da mit Säbelgerassel die Dorfstraße herauf?! Sie traute ihren Augen nicht; einen hellen Freudenschrei stieß sie aus — das war ja der schöne Gendarm von Oberkail!

Ihr Kleid raffend, sprang sie in großen Sätzen ihm entgegen. Daß ihr nur keine zuvorkam!