Die einsame Dorfstraße hatte sich plötzlich belebt, aus allen Fenstern fuhren Köpfe; Thüren klappten. Rufen, Laufen, Lachen. Mit Zauberschnelle war Leben, wo eben noch alles ausgestorben erschienen. Da waren schon die Tina, die Brun und die Leis! Die kleine Billa kam auch gerannt, und noch ein ganzer Schwarm andrer.
Der schöne Gendarm versandte rechts und links freundliche Blicke aus seinen blanken Augen und lachte über das ganze runde Kindergesicht, daß sich die Grübchen in seinen Backen zu zwei Löchelchen vertieften.
Wen suchte er?
Nun war Lucia bei ihm. „Hähr Schandarm, Hähr Schandarm,“ stammelte sie atemlos, mit ihrem strahlendsten Lächeln.
„Verfluchtes Schwein — pardon, wollte sagen: riesiges Jlück!“ Er legte zwei Finger an den Helm und betrachtete sie mit der Miene eines Eroberers. „Ich dachte jrade an Sie, schöne Frau!“ Er gab sich Mühe, das ein wenig von oben herab zu sagen, aber im Grunde war er so erfreut über die Begegnung, daß er schmunzelnd den Mund breit zog. Er strich sich unternehmend den Schnurrbart. „Riesig erfreut!“
„Es et waohr?“ fragte sie treuherzig. Die Häuser tanzten vor ihren Augen einen wiegenden Walzer, ihr Herz klopfte in kindischer Glückseligkeit — den hatte ihr die Jungfrau Maria geschickt!
Sie waren bald einig. Der schöne Gendarm hatte in Eifelschmitt beim Krumscheid, dem Ortsvorstand, etwas zu thun gehabt; das sagte er aber nicht, er behauptete, einzig und allein nur gekommen zu sein, um die schöne Zeih zum Tanz abzuholen. Nun wollte er auf sie warten, unten am Berg, wo das Fußfällchen[35] steht.
Vor Freuden hüpfend, eilte sie zurück in ihre Hütte; sie küßte und bekreuzte das Josefchen in der Wiege, wickelte es fest ein, daß es sich nicht rühren konnte, und steckte ihm den Zulp mit gekautem Brot in’s Mäulchen.
Jetzt rasch ein Tuch um die Schultern gehängt und dann an die Kammerthür geklopft. „Pittchen, adjes! Ech giehn derweil!“
Drinnen fuhr einer erschreckt auf, wie aus tiefem Schlaf, man hörte den Schemel umpoltern.