„Ech giehn nao Oberkail, adjes!“ Sie wartete keine Gegenrede ab, schnell war sie auf und davon; die Thür ließ sie in der Eile offen, ein starker Zugwind blies in’s Haus.
Als sie mit ihrem Begleiter die Höhe gen Schwarzenborn hinaufstieg, folgten ihr viel neidische Blicke.
Was wollte die denn mit dem? Die hatte ja zuhause einen Mann! Die Weiber standen zusammen, Enttäuschung und Ärger in den Mienen, und schimpften hinter ihr drein; heute wurde Lucia Miffert von allen gehaßt.
Tina schmählte, gegen ihre sonstige Gewohnheit, wenig; sie lahmte merklich mit dem linken Fuß. Auf den hatte ihr die Zeih gestern den Schemel geworfen; da hatte sie ordentlich Respekt bekommen.
Als es dunkelte, schlich sich Tina zu Mifferts Hütte, sie hörte ihn drinnen poltern und fluchen.
Vor einer Viertelstunde war Peter erst aus der Kammer gekommen; sein blasses Gesicht zeigte scharlachrote, abgegrenzte Flecken auf den Backenknochen, seine Augen, die tief in den Höhlen lagen, glänzten übernatürlich.
„Zeih,“ schrie er aufgeregt, „Zeih!“ Für heute war er fertig, und nun mußte er einen Menschen haben, mit dem er reden konnte, einerlei was, nur reden, reden! Eine wilde Unruhe quälte ihn.
„Zeih!“ schrie er, daß die Wände widerhallten. Sie antwortete nicht, nur das Josefchen wimmerte, halberstickt in seiner festen Umwicklung.
Die Thür stand sperrangelbreit offen, eiskalt war’s in der Stube — die Zeih nicht da, wo war sie?
Verstört fuhr er sich über die Stirn — hatte sie’s ihm denn nicht zugerufen: ‚nao Oberkail‘ —?!