Umständlich begann er sich zu pomadisieren und zu frisieren: Scheitel über den Hinterkopf gezogen, Haare rechts und links über den Ohren aufgebürstet. Den Schnurrbart gewichst, Mütze eine Ahnung schief gerückt, Taille eng gezogen, daß die wattierte Brust heraustrat. Nun noch die Nägel poliert, diese schönen, rosigen Nägel, mit den weißen Halbmonden und den langen, spitz zugeschnittenen Schuppen.

Als er den Gang zur Feldwebelwohnung entlang schritt – was brauchte er erst offiziell über den Hof zu gehn, hier war’s viel bequemer –, hatte er noch immer keinen Vorwand. Na, der Alte würde ja nicht gerade da sein! Vorsichtig schob er die nur angelehnte Küchenthür auf, enttäuscht wollte er den Kopf zurückziehen – niemand drin! – da trat Josefine aus ihrer niedrigen Kammerthür.

»Wer da?«

Sie hatte sich eben das Haar frisch aufstecken wollen, noch hing es ihr in schweren Zöpfen in den Nacken. Rot wurde sie bis unter das weiße Busentuch und dann blaß; sie war erschrocken, eben hatte sie an ihn gedacht.

Das Kommen und Gehen des Blutes unter der weißen Haut entzückte ihn. Und wie frisch ihre Lippen waren! Nun fiel ihm plötzlich etwas ein: er mußte sich bedanken für die gestopften Socken, die sie ihm gestern durch Bruder Karlchen geschickt.

»Sie haben so viel Freundlichkeiten für mich,« sagte er gedämpft und drückte ihre verarbeiteten Finger.

»Ich –? Och ene!« Sie wollte ihm ihre Hand entziehen, aber er hielt sie fest.

»Diese fleißigen Finger« – zart streichelte er darüber hin – »haben sich so für mich gequält!«

»Jequält!?« Sie hob auf einmal die gesenkten Lider und sah ihn so groß und voll an, daß er erschrak; dann drehte sie sich hastig um und lief an’s Fenster.

»Wat Sie für dumm’ Zeug reden, Herr Leutnant – jequält, haha, da war doch jar nit viel an zu machen! Un dat hab’ ich ja so jern jethan! So jern – ach, ich jlaub’, da kommt der Vater!«