Ach, da würde er nun oft seine freie Zeit zubringen! Das war natürlich, aber sie empfand einen Schmerz dabei.

Und Gesellschaften würde er mitmachen, viele Bälle! Sie würde abends nicht mehr das Flinzeln der Kerze in der Offiziersstube beobachten können.

Und ob er noch Zeit fand zu einem Flüstern im dunklen Gang?! Lieber Gott, weiter verlangte sie ja gar nichts, nur ab und zu ein Wort in abgestohlenen Minuten, ein rasches Sehen, ein heimliches Grüßen. Es war so schön gewesen.

Ein plötzlicher Schreck überfiel sie – wenn das nun alles ein Ende hätte?! Ach nein, kein Ende, es mußte ja immer schöner werden, immer schöner! Hatte er sie denn nicht lieb?

Sicherlich!

Sie dachte an das kleine rote Buch, das er ihr geschenkt! Da stand so viel von Liebe darin.

Könnte sie ihm nur einmal um den Hals fallen! Nur einmal ihm einen herzhaften Kuß geben!

Als Josefine an der Front der Kaserne vorbei ging, strich ihre Hand liebevoll längs der grauen Mauer hin. Die umschloß ja ein großes Glück. Eine heiße Zärtlichkeit wallte in ihr auf – wo gab es bessere, festere, schönere Mauern?! Sie liebte jeden Stein. Hier hatte sie einst mit Rötel einen mächtigen Strich gezogen – noch glaubte sie den Kratz zu sehen – und hier auf’s große Thor hatten die Jungens mit Kreide gekritzelt:

›Fina Rinke heiß’ ich,

Schön bin ich, dat weiß ich‹